Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Die beste Zeit im Jahr ist mein,
da singen alle Vögelein.
Himmel und Erden ist der voll,
viel gut Gesang, der lautet wohl.

Voran die liebe Nachtigall
macht alles fröhlich überall
mit ihrem lieblichen Gesang,
des muss sie haben immer Dank.

Vielmehr der liebe Herre Gott,
der sie also geschaffen hat,
uz sein die rechte Sängerin,
der Musica ein Meisterin.

Dem singt und springt sie Tag und Nacht,
seins Lobes sie nichts müde macht:
den ehrt und lobt auch mein Gesang
und sagt ihm einen ewgen Dank.

Bevor die Sonne aufgeht, lassen sie sich schon hören: die Vögel mit ihrem munteren Gezwitscher. Anfangs nur einzelne, dann immer mehr, bis der Himmel erfüllt ist von ihrem Gesang. Jeder Vogel hat dabei seinen eigenen, für ihn typischen Ruf. Und doch klingen sie alle zusammen – wie ein vielstimmiges Konzert.

Die beste Zeit im Jahr ist mein,
da singen alle Vögelein.
Himmel und Erden ist der voll,
viel gut Gesang, der lautet wohl.

Wer spricht hier eigentlich? Es ist Frau Musica. Martin Luther hat ihr zu Ehren ein großes Gedicht verfasst,  ursprünglich als  „Vorrede auf alle guten Gesangbücher“. Das Lied von heute morgen umfasst nur die letzten Strophen dieses Gedichts. Darin beschreibt Luther die Wirkung der Musik – besonders die heilsame Kraft des Singens.  Luther hat das selber oft genug erfahren, dass Singen  negative Gefühle vertreiben kann, dass es tröstet und aufrichtet. Deshalb spielte die Musik und das Singen für seine Glaubensverkündigung eine zentrale Rolle. „Wenn sie’s nicht singen, glauben sie’s nicht.“ So hat er einmal gesagt. Und: singen stiftet Gemeinschaft. Wenn sich jeder mit seiner ganz eigenen Stimme einbringt,  fügt sich doch alles zu einem gemeinsamen Klang – eben wie beim Vogelgezwitscher.

Die Melodie unseres heutigen Liedes stammt von Melchior Vulpius. Sie ist so einfach, dass man sie gut nachsingen kann und zugleich hebt sie einen mit ihrem melodischen Schwung quasi in den Himmelsraum hinauf zu den singenden Vögeln.  Ein Vogel wird nun in der nächsten Strophe besonders herausgehoben: die Nachtigall, deren Gesang die Menschen schon immer fasziniert hat. Kein Wunder, dass sie viele Musiker inspiriert hat.

Woher kommt das alles? Nur ein Zufall? Ein besonders trickreiches Balzverhalten? Für Luther gibt es da keinen Zweifel. Die Nachtigall ist ein Geschöpf Gottes. Er hat ihr diese wunderbare Gabe verliehen, die sie sogar zur Meisterin der Musik macht.

Voran die liebe Nachtigall
macht alles fröhlich überall
mit ihrem lieblichen Gesang,
des muss sie haben immer Dank.

Vielmehr der liebe Herre Gott,
der sie also geschaffen hat,
zu sein die rechte Sängerin,
der Musica ein Meisterin.

Von den Vögeln lernen – das gilt nicht nur für „Frau Musica“. Auch Jesus hat sich von ihnen inspirieren lassen. Er war ja fast immer draußen und  hat sie sicherlich oft singen hören. Vielleicht war er von ihrer Leichtigkeit fasziniert, von ihrer Fähigkeit zu fliegen und sich den Kräften des Windes anzuvertrauen. Sie waren sie für ihn ein wenig näher bei Gott  - getragen von einem tiefen Vertrauen, dass alles Leben von ihm kommt und erhalten wird.

Ganz anders als die Menschen, denen er begegnet ist. Sie waren oft niedergedrückt von ihren Sorgen und hatten Angst vor der Zukunft. „Sorgt euch nicht“, sagte Jesus daher zu ihnen. „Schaut zu den Vögeln des Himmels. Sie säen nicht und ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; aber euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? “ Jesus lädt seine Zuhörer ein, sich von der Zuversicht und Lebensfreude der Vögel anstecken zu lassen.

Dem singt und springt sie Tag und Nacht,
seins Lobes sie nichts müde macht:
den ehrt und lobt auch mein Gesang
und sagt ihm einen ewgen Dank.

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Musikangaben:
Vulpius, Melchior  
Die beste Zeit im Jahr ist mein für Frauenchor a cappella   
Kammerchor cantus novus ulm 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26779

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