Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Einfach nicht mehr für Geld arbeiten müssen. Sondern genug bekommen, um ein einfaches, sorgenfreies Leben führen zu können. Und nur noch tun, was einem wichtig ist, in Familie, Gesellschaft oder Beruf. Diesen Traum von Freiheit und Sicherheit verbinden viele mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Sie wollen sich so vom existentiellen Überlebenskampf befreien, um mehr Zeit für das wirklich Wichtige im Leben zu haben. Andere kritisieren dieses Konzept: Es sei zu teuer, sei eine Einladung zum Faulenzen und lasse zu viele Probleme offen.

Die Bibel hat einen anderen Ansatz. Zum einen warnt sie vor trügerischer Sicherheit. Sie erzählt von einem reichen Bauern, der eine phantastische Ernte in seine Scheune einfährt und sich nun auf Jahre sicher fühlt. Doch schon in der folgenden Nacht stirbt er und sein Reichtum gehört nun anderen. Vor den wirklich harten Lebenswenden schützt auch ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht.

Zum anderen schlägt die Bibel einen Perspektivwechsel vor. Der berechtigten Sorge um Essen und Kleidung hält sie zwei Bilder entgegen: Die Vögel am Himmel säen und ernten nicht, haben keine Scheune – und doch ernährt sie Gott. Die Lilien auf dem Feld arbeiten und spinnen nicht, und doch kleidet sie Gott prächtig in ihrer Blüte. Diese Bilder machen keinen Hungrigen satt und wärmen keinen Nackten. Aber sie weiten den Blick. Wenn Gott schon Vögel und Blumen im Auge hat, um wie viel mehr dann seine geliebten Menschen.

Den Armen in unserer Gesellschaft helfen und die Güter gerecht verteilen müssen wir dann immer noch. Vielleicht auch durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Aber die Sorge um uns selbst wird dann nicht mehr so verbissen sein. Wir sind mit unseren Sorgen nicht allein. Gott, der die Spatzen ernährt und die Lilien kleidet, wird auch ganz sicher uns nicht aus dem Blick verlieren.

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