Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 740 FR

 Heute ist Erntedank. Ein Tag, an dem der Dank im Vordergrund stehen soll. In vielen Kirchen wurden liebevoll Erntedankaltäre aufgebaut mit Kürbissen und Kartoffeln, mit Äpfeln und Trauben, mit Getreide und Brot in den verschiedensten Varianten: riesige Brotkränze oder wunderschön verzierte Erntedankbrote. 

Heute wird für vieles gedankt, aber das Brot hat eine Ausnahmestellung an diesem Tag. Brot ist das Grundnahrungsmittel und deshalb steht Brot für das Leben. 

Das heutige Lied hat den Titel „Brich mit den Hungrigen dein Brot“. Diese Aufforderung bedeutet weit mehr, als einfach nur Essen zu teilen. Brot zu teilen heißt im übertragenen Sinne das Leben zu teilen. Und genau davon singt das Lied zum heutigen Sonntag. (46 sec) 

Einspielung Chorversion komplett,  

Das Lied wurde im Jahr 1977 von Peter Janssens komponiert, der zu dieser Zeit in dem Genre der Neuen Geistlichen Musik unheimlich produktiv war. Friedrich Karl Barth hat den Text dazu geschrieben. 

In immer neuen und wiederkehrenden Aufforderungen wird in diesem Lied entfaltet, was es heißt, das Leben zu teilen:  

Einspielung Instrumentalfassung

  • Brich mit den Hungrigen dein Brot. Das heißt, solidarisch zu sein mit denen, die nicht so viel haben – bei uns oder auf Kontinenten, die vom Klima nicht so begünstigt sind wie wir.
  • Sprich mit den Sprachlosen ein Wort. Das heißt, Minderheiten dazu verhelfen, sich Gehör zu verschaffen. Unangenehme Positionen vertreten. Mit lauter Stimme für die eintreten, für die sonst niemand mehr einen Finger krumm macht.
  • Sing mit den Traurigen ein Lied. Das heißt für die da zu sein, die trauern. Die einen Menschen verloren haben, die ihre Würde verloren haben. Und nicht die Trauer totzuplappern, sondern in das Lied der Trauer mit einzustimmen. Vielleicht besteht das Lied der Trauer auch einfach nur aus Schweigen.
  • Teil mit den Einsamen dein Haus. Das heißt, sich für diejenigen einzusetzen, die heimatlos sind, die orientierungslos sind. Heimat geben ist mehr, als ein Zimmer anzubieten.
  • Such mit den Fertigen ein Ziel. Das heißt, diejenigen wahrzunehmen, die fertig sind, die am Ende sind. Sich ihre Geschichten anzuhören. Ihnen einen ersten Schritt zu ermöglichen.  

Einspielung Chorversion  

Die beste Art, für die Schöpfung dankbar zu sein, ist vielleicht die, dass ich verantwortungsvoll mit ihr umgehe. Dazu gibt es eine schöne Brot-Geschichte, mit der die Laufbahn des irischen Schriftstellers Frank Mc Court begonnen hat. Es ist zum einen eine von unzähligen Brot-Geschichten. Und gleichzeitig ist es eine richtige Erntedankgeschichte.  

Frank Mc Court ist frisch gebackener Englischlehrer und betritt zum ersten Mal sein Klassenzimmer. Dort geht es drunter und drüber – wie immer am ersten Schultag. Pete, einer der vorlautesten Schüler, brüllt gerade: „Wer will mein Pausenbrot?“ Und dann fliegt es quer durch den Klassenraum und landet direkt vor den Füßen des neuen Lehrers. 

Plötzlich wird es still in der Klasse. Frank McCourt weiß: jetzt entscheidet sich einiges: ob ich als Lehrer anerkannt werde zum Beispiel. Oder wie die Schüler in Zukunft mit Nahrungsmittel umgehen. Er sagt nichts, er folgt nur seinem Bauchgefühl. Der Lehrer bückt sich, hebt das Pausenbrot auf, wickelt es sorgfältig aus und beißt hinein. Er isst es vor den Augen der Klasse auf, und er genießt jeden Bissen. 

Frank McCourt sagt später: „Ab diesem Zeitpunkt hingen mir die Schüler an den Lippen. Und ich wette, sie sind ab da auch anders mit ihren Pausenbroten umgegangen.“

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