Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Imperfect“ – auf Deutsch „unvollkommen“ steht seit einigen Wochen auf vielen Werbeplakaten einer großen Modemarke.

Im Hintergrund sind Menschen zu sehen, die keine professionellen Superschönheiten sind, sondern Menschen wie Du und ich. Doch keineswegs sehen diese Menschen so aus, als ob sie unvollkommen wären oder gar darunter leiden würden. Im Gegenteil: sie lachen, strahlen und wirken rundum zufrieden. Das ist gewollt.

Die Kampagne spielt mit den Parallelen zwischen dem Wort „Imperfect“ und „I´m perfect“. Im Englischen macht nur ein kleines Häkchen zwischen den Buchstaben den Unterschied. Und schon wird aus dem Wort „unvollkommen“ die Aussage „Ich bin perfekt“.

Mir gefällt diese Werbung. Denn auch ich finde, dass jeder auf seine ganz eigene Art außergewöhnlich und schön sein kann. Doch obwohl ich das weiß, bleibt es eben doch eine große Aufgabe, sich selbst genauso zu akzeptieren, wie man ist: seien es die Äußerlichkeiten, die man sich anders wünscht oder auch Charakterzüge, die man an sich nicht so mag.

Sich aber auch gerade mit diesen Dingen anzunehmen und sie nicht auszublenden, gehört zu den Grundaufgaben des Menschen. Der Theologe Romano Guardini beschreibt das so:

„Ich muss auf den Wunsch verzichten, anders zu sein als ich bin. (…) Dass ich nicht gegen mein Dasein protestiere; nicht mich aus ihm hinauswünsche; nicht neidisch auf die blicke, die reicher, angesehener, gesünder, schöner, begabter, schöpferischer sind als ich.“

Das sagt sich so leicht, aber es wirklich zu glauben ist gar nicht so einfach. Mir gefällt deshalb besonders, wie Guardini das begründet. Er sagt sinngemäß: Gott hat jeden Menschen gewollt. Wieso kritisiere ich dann ständig an seiner Schöpfung herum? Sicher hat Gott sich was dabei gedacht.

Für mich heißt das: Ich bin perfekt, weil Gott mich so will. Das ist ein Versprechen, das größer ist als das, was ich mir selbst jemals geben kann. Ich bin mir von Gott gegeben – eben mit all dem, was mich ausmacht.

 

 

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