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SWR2 Wort zum Tag

In unseren Tagen ist die weltweite Verfolgung von Christen so schlimm wie nie zuvor in der Geschichte. Über 100 Millionen Menschen leiden wegen ihres christlichen Glaubens unter Unterdrückung und Gewalt. In islamischen Ländern, in totalitären Staaten, in Kriegsgebieten und Gewaltregionen. So fliehen viele verfolgte Christen aus dem Irak. Hier werden sie als Menschen zweiter Klasse behandelt, elementare Grundrechte werden ihnen verweigert, es besteht Gefahr für Leib und Leben. Schwierig wird es nun bei der Frage, welche Schlussfolgerungen wir daraus ziehen, dass es vorwiegend islamische Länder sind, in denen Christen verfolgt und diskriminiert werden. Rechtspopulistische Politiker und rechtsradikale Parteien in Europa jedenfalls haben ihrer Schlüsse schon gezogen: Im Gegenzug sollen Muslime in unseren Gesellschaften weniger Rechte haben. „Wie du mir, so ich dir". Ich halte diese Konsequenz für falsch. Das Spiel „wir gegen euch" führt nur zu immer mehr Leid und Hass. Außerdem kann ich eine solche Haltung nicht mit der christlichen Botschaft vereinbaren. Viel sinnvoller ist es, diejenigen Kräfte im Islam zu unterstützen, die die Religionsfreiheit aus der eigenen Lehre begründen. In der Sure 2 im Koran heißt es nämlich: „Es gibt keinen Zwang in der Religion." Gerade die Geschichte des Christentums zeigt, dass es sich bei solchen Theologen oft um Vordenker einer späteren allgemeinen Entwicklung handelt. Denn auch in unserem christlich geprägten Kulturkreis ist die Religionsfreiheit noch nicht so lange gang und gäbe, wie wir meist vermuten. So ist in dieser Sache angesagt, das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen: Solidarisch sein mit den verfolgten Christen und ihr Leid in Erinnerung rufen und gleichzeitig nicht-christlichen Minderheiten bei uns zu ihrem Recht verhelfen. Dann kann es heißen „wie wir euch, so ihr uns" und irgendwann löst sich der Gegensatz zwischen dem „uns" und dem „euch" hoffentlich ganz auf.

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