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SWR3 Gedanken

Wer „über den Jordan gegangen ist", der hat wohl „die Zeichen der Zeit" verkannt und alles „in sich (hinein)gefressen". Drei Redewendungen in einem Satz. Und was haben sie gemeinsam? Genau, sie stammen aus der Bibel. Über den Jordan sind die Israeliten auf ihrer Flucht aus Ägypten gegangen (4. Buch Mose 33, 51). Dabei sind sie allerdings nicht gestorben, sondern ins Gelobte Land gelangt. Jesus kannte die Zeichen der Zeit und fragte seine Gegner: Ihr meint eine Menge zu kennen und zu wissen; „aber die Zeichen der Zeit könnt ihr nicht erkennen?" (Mt 16, 1-3). Das man Leid und Kummer nicht in sich hineinfressen sollte, auch das steht in der Bibel (Ps 39, 3).
Und wenn wir von einem „schwarzen Schaf" in einer ansonsten super Familie reden, dann ist das dann zumeist negativ gemeint. In der Bibel bilden die schwarzen und die bunten, die gefleckten Schafe den Grund für den Reichtum der biblischen Väter (1. Buch Mose 30, 32). Es lebe das schwarze Schaf!
Der „Abschaum der Menschheit" sind im übrigen die Christen. Und so steht es geschrieben: „Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute" (1. Kor 4, 13). Eine Tatsache, die wir nicht allzu laut ausposaunen sollten; auch das eine biblische Mahnung: „Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht aus, wie es die Heuchler tun." (Mt 6, 1+2).

Aber wir sollten den Kopf nicht hängen lassen, so sagt es zumindest der Prophet Jesaja (Jesaja 58): Lass den Kopf nicht hängen, denn der da den Kopf hängen lässt, weil er sich von Gott und der Welt im Stich gelassen fühlt, der sieht nicht mehr die, die da sind, ihm zu helfen, ihn mit offenen Armen zu halten und zu trösten.

aus: Jörg Buchna „Schwarzen Schafen geht ein Licht auf" Norden, Selbstverlag 2004.

 

Freitag, 14. September 2011

Ein einziges Tohuwabohu

Corinna steht im Zimmer ihrer Tochter und kann es nicht fassen. Sie weiß sich nicht mehr zu helfen. Überall liegen Kleidungsstücke, Spielsachen, Schulsachen, Malsachen, Haarspangen, Socken. Ihre Tochter Marietta steht mit hängenden Schultern vor ihr, inmitten des ganzen Chaos. „Das ist ja ein einziges Tohuwabohu hier", schreit Corinna außer sich, „wir haben doch erst gestern hier zusammen aufgeräumt und sauber gemacht. Wie kann das sein?"
Marietta hebt ganz langsam ihren kleinen Zeigefinger. „Aus dem Chaos erhebt sich alle Kreativität." Zaghaft lächelt sie ihre Mutti an. „Was?" Corinna muss fast lachen über die Situation, über den weisen Spruch ihrer Tochter. Das hat ihr gerade noch gefehlt.
„Na, das hat die Frau im Kindergottesdienst gesagt", fügt Marietta schnell und jetzt viel selbstbewusster hinzu, „wir haben über das große Towawowa..." sie stolpert etwas über dieses komische Wort „... Tohuwabohu", hilft ihr Corinna. „Also, ja genau darüber haben wir gesprochen. Weil die Erde doch ganz durcheinander war am Anfang. Und dann kam Gott und hat alles aufgeräumt." Marietta ist ganz stolz. Da hat sie doch mal im Kindergottesdienst was Nützliches gelernt.
Jetzt muss Corinna dann doch lachen. „So", sagt sie, „dann lass uns hier mal wie Gott ein bisschen für Ordnung sorgen und aufräumen und das Tohuwabohu in aller Ruhe beseitigen."

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