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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Mir bleibt die Stimme im Halse stecken und während ich dies diktiere, bin ich von Schmerz geschüttelt. Erobert wird die Stadt, die den ganzen Erdkreis beherrschte." So klagt der Kirchenvater Hieronymus, als er von der Plünderung Roms erfährt. Ende August 410 n. Chr., vor genau 1.600 Jahren, nahm das Drama seinen Lauf. Im Zuge der Völkerwanderung eroberten die Truppen des Westgotenkönigs Alarich die Hauptstadt des Imperiums. Tagelang wüteten sie in der Stadt. Mord, Raub, Vergewaltigung: ein einziger Horror. Das Unvorstellbare war eingetreten: das „ewige" Rom von germanischen Barbaren verwüstet. Gerade die Christen waren fassungslos. Das Römische Reich war doch ein christliches geworden! Wie konnte Gott dann so etwas zulassen? Nichts, was Menschen schaffen, ist wirklich „ewig". Und sei es noch so erhaben und eindrucksvoll. Das mussten nun auch die Christen erkennen. Die großen Theologen versuchten die Katastrophe des Jahres 410 zu verarbeiten. Sie erkannten dabei: Gott will das Heil des Menschen. Aber dieses Heil ist nicht gebunden an bestimmte Institutionen der Welt. Deshalb kann der Mensch auch unter ganz verschiedenen Bedingungen seinen Glauben leben. Für mich heute heißt das: auch unter ganz neuen Rahmenbedingungen ist der Glaube an Jesus Christus lebbar. Den Kirchen wird zunehmend bewusst, dass eine Zeit des Umbruchs gekommen ist. Die Volkskirche ist passé. Man wird nicht mehr automatisch in ein Bekenntnis hineingeboren, man muss sich persönlich dafür entscheiden.
Aufgabe der Kirchen bleibt, das Evangelium zu verkünden und es umzusetzen. Das wird vermutlich schwieriger als in einer traditionell christlich geprägten Umwelt. Aber vielleicht auch viel interessanter und kreativer.

 

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