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SWR3 Gedanken

Woran denken Sie bei dem Wort „alt"? An ein Altenheim, einen Rollstuhl, Krankenpflege, Rente? Daran keinen Sport mehr machen zu können oder einfach nur an graue Haare?
Es fällt auf, dass wir eher negativ aufs Altwerden schauen. Vor allem wenn Politiker diskutieren bedeutet alt pflegebedürftig. Dann heißt es schnell: Alte kosten Geld. Der Caritasverband will uns ermutigen, positiver aufs Alter zu schauen. Sein Slogan: Ältere sind Experten fürs Leben.
So sieht man auf einem Plakat eine nette Seniorin und darunter den Spruch: „Expertin bei Liebeskummer sucht Ausgehhilfe". Auf einem anderen Plakat steht „Experte für Lebensfreude sucht Rollstuhlschieber." Eine Sache: älter werden. Zwei Sichtweisen: einmal als Erfahrung, aber meistens schaue ich eben doch nur auf das negative, das was weniger wird, was nicht so schön ist und was mir Angst macht beim älter werden. Wenn ich an meine Mutter denke, dann habe ich fast immer diese negative Sichtweise: sehe, dass sie kaum noch laufen kann, beim Treppensteigen völlig fertig ist. Fast nichts mehr sieht, kaum noch hört. Ich schaue auf das, was fehlt und ärgere mich darüber. Expertin? Meine Mutter? Doch - ist sie. Wenn der Fuß von Shakiras Plüschpony abgerissen ist - ich würde es wegwerfen - meine Mutter kann es nähen. Wenn es darum geht, vorzuleben, dass man auch ohne Handy zufrieden sein kann, nicht immer etwas neues braucht, weil einen der Krieg gelehrt hat, bescheiden zu sein: dann ist meine Mutter Expertin. Und auch: wenn es darum geht auf Gott zu vertrauen, dass er einem auch im Alter beisteht.

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