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SWR2 Wort zum Tag


Es gibt Worte und Geschichten, die unmittelbar einleuchten und die alltagstaugliche Weisheiten vermitteln. Johann Peter Hebel, an dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr denken, hat im Rheinischen Hausfreund, einem beliebten Kalender, viele solcher Ge-schichten und Worte veröffentlicht. Einmal setzt er sich mit dem Sprichwort Man muss mit den Wölfen heulen auseinander. Er hält nichts davon, auch unvernünftig zu handeln, wenn man mit unvernünftigen Leuten zusammenkommt, und meint: Erstlich, du sollst dich nicht unter die Wölfe mischen, sondern ihnen aus dem Weg gehen. Zweitens: Wenn du ihnen nicht entweichen kannst, so sollst du sagen: Ich bin ein Mensch und kein Wolf. Ich kann nicht so schön heulen wie ihr. Drittens: Wenn du meinst, es sei nimmer anders von ihnen loszukommen, so will dir der Hausfreund erlauben, ein oder zweimal mit zu bellen, aber du sollst nicht mit ihnen beißen und anderer Leute Schafe fressen. Sonst kommt zuletzt der Jäger, und du wirst mit ihnen erschossen.

Mit viel Humor und einleuchtend plädiert Hebel hier dafür, nicht alles mitzumachen und vor allem nichts zu tun, was Anderen schadet. Er räumt dabei ein, dass man sich manchmal dem nicht ganz entziehen kann, was in der Umgebung, in der man lebt, im Gange ist und gilt. Aber was auf Kosten Anderer geht und sie belastet, soll man lassen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Einhaltung dieser Regel den alltäglichen Umgang mit anderen Menschen entlastet. Viel Fantasie ist nötig, wenn man gegen manche Trends in der Gesellschaft vermeiden will, was Anderen schadet. Da sind z.B. ökologische Vernunft im eigenen Handeln oder überlegtes Einkaufen gefragt. Auch da gilt es: Nicht mit den Wölfen heulen, Anderen nicht schaden. Man könnte dabei auch selbst Schaden leiden. Das leuchtet ein und ist eine alltagstaugliche weise Regel.

Andern nicht schaden, ihnen nichts antun, was man auch selbst nicht erleiden möchte! Ein weises Wort Jesu sagt es positiv: Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihnen auch. In dieser weisen Regel, sagt Jesus, seien die gesamten Gebote Gottes, alle Leitlinien für das Leben und das Zusammenleben der Menschen zusammengefasst. Wenn man daran denkt, dass an anderer Stelle der ganze Wille Gottes in das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten gefasst wird, begreift man, wie anspruchsvoll diese Regel ist. Sie geht über die weisen Worte Hebels noch hinaus. Sie meint, dass Menschen sich in ihrem Leben und Zusammenleben von Liebe, wie man sie selbst erwartet, leiten lassen sollen. Aber kann man Liebe gebieten? Man kann sie erwarten, wenn man Liebe erfährt. Das ist eine alte Weisheit. - Gott schenkt Liebe und weckt sie!
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