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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP


Heute Morgen möchte ich eine Lanze für Josef brechen. Denn alle Welt redet in der Advents- und Weihnachtszeit von Maria und vom lieben Jesulein, von Hirten und den drei heiligen Königen. Sogar Ochs und Esel finden Beachtung. Nur Josef kommt eindeutig zu kurz.

Josef, der Handwerker, der Zimmermann. Ein solider Arbeiter ist er. Was er baut, das hat Bestand. Er hat einen Beruf, eine Frau, die er liebt. Jetzt muss er nur noch selbst ein Haus bauen, ein Baum pflanzen und ein Kind zeugen. Alles verläuft nach Plan. Bis…, ja bis er mitbekommt, dass seine Verlobte schwanger ist.

Das haut ihn um, das darf nicht sein nach den geschriebenen Gesetzen Israels und den ungeschriebenen moralischen Gesetzen. Das haut ihn um, weil er weiß: Ich war’s nicht. Ich hatte nichts mit der Maria. Sexuell zumindest nicht. Also war sie anderswo. Sollte Josef tun, was so viele Männer in seiner Situation tun? Nämlich weglaufen?

Nach geltendem Recht hätte Josef zumindest Maria von sich stoßen müssen. Aber er hat es nicht getan. Warum? Er hat sie geliebt. Er hat sie so sehr geliebt, dass er – egal, von wem oder woher das Kind war – das Kind angenommen hat. Er hat es angenommen als Gottes Kind. Und er wollte für es sorgen.

Es war ein Traum, der Josef zu dieser Entscheidung geführt hat. In diesem Traum flüstert ein Engel ihm ins Ohr: „Josef, bleib Maria treu.“ Und Josef hat getan, was der Engel gesagt hat. Er ist bei seiner Frau geblieben. Nicht aus Gehorsam, wie ich meine, sondern aus Liebe.

Der Traum vom Engel hat über Nacht den inneren Konflikt des Josef entschärft. Josef weiß, dass er diese Frau, seine Maria mit ihrem Kind annehmen kann. Jeder falsche Stolz und jede verletzte Ehre und persönliche Eitelkeit kann zurückstehen. Josef kann einfach diesem Kind ein guter Vater sein.

Von Josef heißt es in der Bibel: er war gerecht. Das heißt: Er ist seiner Braut gerecht geworden, er ist der Situation gerecht geworden, in die er geraten ist. Weil er nicht nach dem Gesetz oder nach den geltenden Sitten gehandelt hat. Sondern weil er diese Frau geliebt hat.

Josef- ein gerechter Mann. Ich wünschte mir viele solcher gerechten Männer wie Josef.
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