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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP


Was für eine Frau, diese Maria. Selbst in den Institutionen, in denen Frauen so gut wie nichts zu sagen haben, hat diese Frau eine herausgehobene Stellung. Sogar der Tag ihrer Empfängnis, der heutige 8. Dezember, ist in manchem Festtagskalender ein besonderer Tag.

Maria ist eine Tochter. Die Tochter ihrer Eltern Joachim und Anna. Und schon um ihre Geburt ranken sich Legenden. Vom ersten Augenblick ihres Lebens soll sie ohne Sünde gewesen sein, ohne Makel. Hier beginnt die Geschichte der Frau, der jungen Frau, die Gott zur Mutter seines Sohnes auserwählt hat.

Maria wird selbst eine Mutter. Eine mehrfache Mutter. Fünf Söhne und mindestens zwei Töchter hat sie. Die Namen der Söhne sind bekannt, nicht jedoch die der Schwestern. Aber ihr erstes Kind, ihr Sohn Jesus, der macht sie berühmt.

Dabei ist sie eine junge Frau wie viele. Ein junges Mädchen, um genau zu sein. Jung zu heiraten, schon mit zwölf oder dreizehn, das war nichts Ungewöhnliches. Eine uneheliche Schwangerschaft schon eher. Aber Maria wird manchen Spott ertragen haben, wie sie die beschwerliche Reise von ihrem Wohnort Nazareth nach Bethlehem ertragen hat. Und den Wirbel in der Nacht der Geburt. Und die Flucht danach, weil der König alle Erstgeborene töten ließ.

Eine starke Frau, diese Maria. Ob sie sofort gespürt hat, dass mit der Geburt ihres Sohnes eine uralte Verheißung erfüllt wird? Da Maria eine kluge und fromme Frau war, wird sie dies wohl gespürt haben. Schließlich hat der Prophet Jesaja schon angekündigt, dass Gott den Menschen als Kind nahe kommt, dass er selbst Mensch wird.

Diese Verheißung gewinnt Gestalt im Kind der Maria. Diesem Kind blieb sie treu, was immer es auch tat. Sein Tod wird sie geschmerzt haben, wie alle Mütter, die ihr Kind – auch ihr erwachsenes Kind – verlieren.

Ich habe großen Respekt vor dieser Frau. Sie braucht keinen Glanz und keine Glorie. Sie ist so bedeutsam, weil sie uns so nahe ist, menschlich nahe ist. In ihrem Kummer und in ihrer Hoffnung, ihrem Schmerz und ihrer Zuversicht.

Für mich spiegelt sich in der Geschichte dieser Frau die Geschichte vieler Mütter. Darum hebe ich sie nicht in den Himmel. Weil wir sie hier auf Erden brauchen.
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