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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Eine Freundin von uns beginnt immer am Sonntag vor dem 1. Advent damit, Weihnachtsplätzchen zu backen. Weil sie am 1. Advent die ersten Plätzchen essen möchte. Wir fangen immer am ersten Advent an, weil sie ja bis Weihnachten reichen sollen.

Das ist doch egal, denken Sie vielleicht. Weihnachtsplätzchen kann man schließlich seit Wochen kaufen, wieso soll ich mir da Gedanken machen ob und wann ich welche backe?

An welchem Datum man genau anfängt, ist wirklich nicht so wichtig, finde ich. Aber dahinter steckt ja mehr. Es geht nicht nur ums Backen, sondern darum die Adventszeit bewusst zu beginnen. Eben mit dem Backen oder mit einem ersten Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Damit man in diese Zeit nicht einfach so hineinstolpert und gar nicht merkt, dass jetzt etwas anderes kommt.

In dem Augenblick, wo ich die Backzutaten und die Förmchen zusammen suche, fängt nämlich etwas anderes an. Da bereite ich mich vor auf etwas, das kommt, und damit hört das, was vorher war, erst mal auf.
Ich nehme mir Zeit, auch wenn bisher alles nur hektisch war.
Ich mache einen Teig, auch wenn ich die Plätzchen genauso gut im Laden kaufen könnte.
Und ich passe auf, dass sie nicht verbrennen, obwohl es tausend andere Sachen gäbe, die ich eigentlich tun müsste. Damit unterbreche ich die Zeit, die bisher war.

„Alles hat seine Zeit!“ (Pred 3.1) heißt es einmal in der Bibel und genau das wird mir beim Plätzchenbacken bewusst. Jetzt ist die Zeit, sich vor zu bereiten, und es ist dran, sich Zeit zu nehmen für das, was einem wichtig ist.
Dazu muss man die Zeiten unterscheiden. Also die Zeit vor dem Advent von der Zeit des Advents selber. Die Zeit, in der der Alltag einfach weiter läuft, und die Zeit, in der er unterbrochen wird.
Und damit dass mit der Unterbrechung wirklich klappt, ist es gut, solche Traditionen zu haben, wann man mit dem Backen anfängt oder wann man mit den Kollegen den ersten Glühwein trinkt. Weil dann klar ist: Jetzt geht es los. Jetzt ist eine andere Zeit.

Ich glaube, so eine Unterbrechung des Alltäglichen tut dem Leben wirklich gut. Wie gut, dass wir noch eine halbe Woche Zeit haben, um uns Gedanken zu machen, wie wir den Advent anfangen wollen. Damit dann wirklich eine andere Zeit beginnt.
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