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SWR3 Gedanken


Zwei Hunde sitzen vor einem Geschäft. Der eine Hund sitzt frei, der andere ist angeleint. Und der knurrt jeden Besucher des Geschäfts grimmig an. „Wenn ich mal frei bin und ohne Leine, dann werde ich alle Leute beißen, die mir in den Weg kommen!“ sagt er zu dem anderen Hund, „Das ist Freiheit: Zu tun, was man will!“. „Siehst du, sagt der, das ist genau der Grund, warum du nicht frei rumlaufen kannst und angeleint bist!“

Diese Geschichte habe ich meinen Konfirmanden im Unterricht erzählt. Unser Thema war: die 10 Gebote in der Bibel. „Könnt ihr euch vorstellen, habe ich sie gefragt, „ob die Geschichte was mit den 10 Geboten zu tun haben könnte?“ Schweigen. Dann sagte Sebastian: „Vielleicht weil der böse Hund nicht mit Freiheit umgehen kann, weil er ja alle beißen will, wenn er frei ist. Und der andere Hund, der frei da sitzt, versteht die Regeln, dass man anderen nicht wehtun darf und hat deshalb viel mehr Freiheit!“ Sebastian hatte genau auf den Punkt gebracht, was ich den Konfis gerne erklären wollte:
Die 10 Gebote sollen uns nicht einschränken in unserer Freiheit. Sie wollen uns Freiheit schaffen und dabei gleichzeitig die Freiheit des Nächsten schützen! Sie wollen Spielregeln sein für ein Leben in Freiheit und Gerechtigkeit. Die Bibel meint: Gott gibt uns allen mit diesen 10 Geboten sozusagen die „Minimalanforderungen“ für ein faires und freies Leben mit auf den Weg. Und im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt das heute so: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.“
Wo die Freiheit des Einen anfängt und die des Anderen aufhört – das zu klären bleibt jeden Tag von Neuem spannend.

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