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SWR3 Gedanken

Gerade im deutschen Fernsehen zu Ende gegangen: die dritte Staffel der Doku-Soap „Teenager außer Kontrolle“. Dort bekommen sechs schwer erziehbare Jugendliche die Chance auf eine Therapie in den USA. Ein Therapeuten-Team mit viel Erfahrung kümmert sich um die Jugendlichen.
Da sind schon harte Fälle dabei. Kevin zum Beispiel: er verweigert die Schule und fällt immer wieder durch seine Zerstörungswut auf. Von seinen Eltern hält er nichts. Oder Christina: sie lebt als Punkerin auf der Straße, drogenabhängig und streitsüchtig. Die Therapie ist sicherlich eine schwierige Situation für alle Beteiligten: Für die Teenies selbst, aber auch für die Eltern und die Therapeuten.
Interessant finde ich, dass der erste Schritt der Therapie in allen bisherigen Staffeln gleich aussah: Die Teenager erhalten Einheitskleidung und müssen alles andere abgeben: Schmuck, Piercings und ihre Klamotten. Alles, was die Jugendlichen von sich selbst ablenken könnte kommt also weg.
In einem zweiten Schritt werden die Teenager dann auf eine Tour durch die Wüste geschickt. Sie sollen sich nur mit sich selbst beschäftigen. Problematische Situationen in ihrem Leben werden noch einmal nachgestellt. Oder sie schreiben einen Brief an sich selbst, in dem sie ihre Lebenswünsche formulieren.
Ein uraltes Rezept der Kirche übrigens. Sich zurückziehen. In die Wüste gehen. Oder auch Einkehrtage im Kloster. Die Außenreize, die sonst so manches zudecken, einfach mal weglassen. Es geht darum, mich selbst kennen und akzeptieren zu lernen: eigene Blockaden, aber auch Sehnsüchte. Viele Menschen machen das sogar freiwillig, weil es ihnen einfach gut tut.
Die Jugendlichen bei „Teenager außer Kontrolle“ haben das alles andere als freiwillig gemacht. Aber für einige war es der erste Schritt in ein neues Leben. Nicht außer Kontrolle und auch nicht unter fremder Kontrolle. Sondern in ein selbst bestimmtes Leben.

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