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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ein Fotograph hat Kinder und Jugendliche aus Heimen auf einer roten Couch fotografiert. Die jungen Menschen äußern sich im Rahmen einer Fotoausstellung über ihr Leben und ihre Erwartungen an die Zukunft.
Eine rote Couch auf einem Fußballplatz. Daniel hat sie dorthin gestellt. Daniel, das ist ein 12 jähriger Junge, der in einem Heim lebt. Die Sache mit der roten Couch, das war die Idee des Fotographen Horst Wackerbarth. Er hat Jugendlichen, die in Einrichtungen der Erziehungshilfe leben, vorgeschlagen, sich auf einer roten Couch fotografieren zu lassen. Und das an Orten, die für die Jugendlichen eine große Bedeutung haben. Daniel hat sich für den Fußballplatz entschieden. Weil er so leidenschaftlich gern Fußball spielt. Der 15- jährige Sandro hat die rote Couch auf einen Friedhof gestellt. Weil auf diesem Friedhof sein Vater begraben liegt. Und die 17 – jährige Jasmin hat die rote Couch in einen Wald gestellt. Weil sie in diesem Waldstück ihren ersten Kuss erhielt. So sind ganz individuelle und aussagekräftige Fotos entstanden. Die rote Couch ist immer dabei. Man könnte fast sagen: Der Fotograph hat Kindern und Jugendlichen, die sonst nicht gerade viel Aufmerksamkeit bekommen, so etwas wie einen roten Teppich ausgerollt. Man merkt das den Jugendlichen an, dass sie sich auf dieser Couch als wichtige Persönlichkeiten fühlen. Die Fotos sind Teil einer ungewöhnlichen Fotoausstellung, in der die Jugendlichen auch von sich selbst erzählen. Es überrascht kaum, dass in ihren Aussagen die Zukunft eine ganz große Rolle spielt. Wer eine schwierige Kindheit und Jugend hatte, der hat große Hoffnungen und Wünsche. Dass die Familie wieder zusammen kommt. Oder der Wunsch, später einmal ein glückliches Familienleben zu haben. Auch eine gute Ausbildungsstelle ist wichtig. Und natürlich ein interessanter Beruf. Die Zukunft muss einfach besser werden, da sind sich die jungen Menschen einig. Als ich mir die Fotos und Gedanken der Jugendlichen ansah, kam mir in den Sinn: eigentlich ist es genau das, was Advent meint. Dass es so nicht weiter gehen kann. Dass es besser werden muss. Dass jemand kommen muss, der für ein besseres Leben sorgt, mit glücklichen Beziehungen und einer sinnvollen Arbeit.
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