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SWR3 Gedanken


Beten ist wie Schlafen. Ja, ich glaube, dieses Gleichnis passt:
Beten ist wie Schlafen.
Und wie haben Sie heute Nacht geschlafen?
Viele Menschen klagen darüber, schlecht geschlafen zu haben.
Manchmal scheint es so, als ob wir das Schlafen verlernt hätten.
Wir machen die Nacht zum Tage, weil wir die Kunst des Nichtstuns,
vielleicht sogar des Faulenzens verlernt haben.
In unserer Überaktivität steckt so etwas wie mangelndes Vertrauen.
Wir können nicht loslassen, aus der Hand geben und die Kontrolle abgeben.
Zugegeben – oft müssen wir uns engagieren und Mühe geben:
Doch das ist nur die eine Seite. Aber dazu gehört noch eine andere Seite: Wir müssen los-lassen und warten. Wie ein Bauer,
der sein Feld vorbereitet hat und nun den Samen in die Erde sät.
Er weiß, dass er seinen Teil getan hat, aber mehr kann er nicht mehr tun.
Es hat keinen Sinn, am Feld auf die ersten Sprösslinge zu warten.
Die Saat wird ohne sein Zutun aufgehen. Dann erst kann er weiterarbeiten.
So abwarten zu können, ausruhen zu können, einschlafen zu können
ist ein Zeichen von Vertrauen. Ich zeige damit, dass meine Arbeit
und meine Leistung in einem größeren Zusammenhang stehen.
Mein Erfolg hängt nicht allein von mir ab.
Deswegen bezeichne ich das Schlafen als „Gebet des Vertrauens“.
Ausruhen und Schlafen zu können ist ein Zeichen des Glaubens.
Wenn ich das erkenne, dann kann ich ausruhen und beruhigt einschlafen.
Diese Einsicht gibt mir eine große Gelassenheit.
Diese innere und äußere Ruhe ist mein Gebet – ein Gebet vielleicht
ohne ein einziges Wort, dafür aber mit ganz viel Gottvertrauen.
So wünsche ich Ihnen schon jetzt am Morgen eine gute Nacht.
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