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SWR2 Wort zum Sonntag

„Ihr seid das Salz der Erde“. Zum Leitwort des Pfälzer Katholikentags in Speyer

Liebe Zuhörer und Zuhörerinnen,
„Ihr seid das Salz der Erde“. Unter diesem Leitwort aus dem Matthäus-Evangelium konnten wir vor kurzem in Speyer ein großes Jubiläum feiern. Vor 100 Jahren haben sich unzählige Gläubige des Bistums Speyer zum ersten Mal mitten im Pfälzer Wald zu ihrem Katholikentag getroffen und damit eine Tradition gegründet, die von unten gewachsen bis heute von zahlreichen Gläubigen aus den Pfarrgemeinden und den katholischen Verbänden hochgehalten wird. Diese Treffen, die Jahr für Jahr tausende von Gläubigen anziehen, sind Ausdruck der gemeinsamen Freude am Glauben wie auch eines wachen und kritischen Geistes aus dem Evangelium heraus. Sie stehen in der Tradition des gesellschaftlichen und sozialpolitischen Engagements der katholischen Kirche und setzen sich immer wieder mit wichtigen Fragen an der Schnittstelle von Glauben und Welt auseinander. So zeigen sie die Bindekraft des Glaubens und seine Fähigkeit, Zeichen der Zeit zu deuten.

Salz der Erde sein – das ist gerade in Zeiten schwindender kirchlicher Bindung, großer Verunsicherung über die Geltung grundlegender Werte, die Herausforderung für uns Christen, unser großer Auftrag. Dabei geht es nicht nur um Dienstleistungen oder caritatives Engagement. Es geht darum, wirklich Sauerteig zu sein für die Welt. Unser Glaube an Jesus Christus hat die Kraft, die Welt zu durchwirken und umzuwandeln, damit Gottes Reich kommen kann.

Dabei tut es gut, sich bewusst zu bleiben, dass das Entscheidende hierbei nicht alleine von uns kommt. Gottes Geist ist es, der in uns wirken will und uns zum Zeugnis des Glaubens befähigt. Salz der Erde sein – können wir Christen das heute überhaupt noch? Ist der Anspruch in einer Welt, die von vielen anderen mächtigen Faktoren bestimmt wird, nicht zu hoch? Salzkörner sind klein und unscheinbar. Ein Leben nach dem Evangelium hängt nicht ab von starken Finanzen und von bis ins letzte durchorganisierten Plänen. Schon ein wenig Salz verändert den Geschmack. Auch eine rein zahlenmäßig kleiner gewordene Kirche kann stark sein, wenn sie wirklich auf diese verändernde Kraft des Glaubens vertraut. Beim Salz kommt es auf die richtige Dosierung an. Ein einziges richtiges Wort zur richtigen Zeit kann vieles bewegen. Ein wacher Christ unter vielen Schläfern kann entscheidendes anstoßen. Salz der Erde sein – das bedeutet für mich, der schleichenden Gleichgültigkeit entgegenzuwirken. Das Schicksal meines Nächsten, meines Nachbarn, meines Arbeitskollegen, darf mir nicht egal sein. Wir sehen, wie die soziale Schere in unserem Land immer weiter auseinander geht. Mitten in unserer Lebenswelt gibt es wieder Armut. Auch wenn wir nicht alle Probleme lösen können, Christ sein bedeutet immer aufmerksam zu sein für den Nächsten, Mitfühlen mit dem Schicksal des anderen und es bedeutet den Mut, die eigene Stimme für die Wahrheit und die Gerechtigkeit einzusetzen.

Die Speyerer Katholikentage sind eine solche Stimme des Glaubens in der Welt. Das durfte ich als neuer Bischof in Speyer zum ersten Mal lebendig erfahren. Da trifft man Gläubige, die seit Jahren sich mutig einsetzen für andere, die in Not, Armut, Elend sind. Und sie tun das ganz stillschweigend und im Verborgenen. Wenn ihre Augen leuchten, wenn man sich mit ihnen unterhält, dann versteht man, was Jesus gemeint hatte, als er zu uns Christen sagte: Ihr seid das Salz der Erde. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4015