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SWR2 Wort zum Tag

Der Trend geht zum Geschenk-Gutschein, so war im Wirtschaftsteil einer Zeitung in der vergangenen Woche zu lesen. Für so einen kleinen Pfandschein kann es gute Gründe geben: Es braucht einen passenden Zeitpunkt oder es ist ein Herzenswunsch, den man den Beschenkten lieber selbst aussuchen lässt. Der Artikel hatte aber eine andere Art Gutschein im Blick: Er informierte über allgemeine Einkaufsgutscheine.

Das funktioniert so, dass man einen Gutschein mit einem festgelegten Betrag für den Einkauf in einem bestimmten Kaufhaus verschenkt, und damit kann der Beschenkte einfach nach Herzenslust einkaufen gehen. So ein Gutschein fördert den Umsatz und sicher darf es dann ein bisschen mehr sein …

Aber: Ist das wirklich ein Geschenk? Mich erinnert das eher an eine Art Weihnachtsgeld zusätzlich zum Gehalt, gewissermaßen eine Gratifikation für die im letzten Jahr erwiesene Freundlichkeit und Liebe in der Familie oder Partnerschaft.

Der Trend zum Gutschein an Weihnachten setzt, so könnte man sagen, auf diese Weise einfach das fort, was sich in unserer Gesellschaft zunehmend einschleicht: Man bezahlt und will bezahlt werden für Hilfestellungen und für Unterstützung, die man braucht. Es ist zu beobachten: Menschenfreundlichkeit und Nachbarschaftlichkeit werden mehr und mehr zu einem Austausch von Geld und Lohn für gute Taten. Der Einkaufsgutschein an Weihnachten passt dazu, finde ich.

Der Kontrast zu der Botschaft von Weihnachten könnte allerdings kaum größer sein. Denn da geht es um etwas, das man auf diese Weise nicht erwerben kann: um Sinn, um Heil, um Zukunft. In der biblischen Weihnachtserzählung gibt es weder Gutscheine noch Geschenke untereinander. Allein das Kind in der Krippe bekommt etwas dargebracht: Weihrauch für das Gotteskind, heilende Myrrhe für den Heiland der Welt, und Gold, kostbares Gut, aus der Hand gegeben, nicht als Besitz an sich gerafft. Das bekommt ein Kind, das sich nicht durch Leistung und Verdienst ausgewiesen hat! Dieses Schenken hat große Wirkung entfaltet in unserem Brauch, sich an Weihnachten zu beschenken.

Ich meine, wenn diese Art von Geschenken die unseren inspiriert, dann kann daraus etwas anderes werden als eine Ansammlung von Geschenkpäckchen. Es kann sichtbar werden, dass Geschenke Gesten der Freundlichkeit sind, keine Belohnungen, dass sie aus der Freude kommen, nicht aus der Verpflichtung. Und deshalb gehören für mich zum Schenken auch Dinge wie ein Brief, ein Foto, eine Verabredung, eine Spende, oder einfach – ganzjährig übrigens - Zeit und Aufmerksamkeit füreinander.
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