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SWR2 Wort zum Tag

Nicht nur am Adventskranz brennen in diesen Tagen die Kerzen, sondern auch auf Chanukkaleuchtern in jüdischen Familien. Abend für Abend wird daran ein Licht nach dem anderen entzündet, bis alle acht Kerzen brennen.

Warum erzähle ich Ihnen im christlichen Advent vom jüdischen Chanukkafest? Zum einen denke ich, es gehört zu guter Nachbarschaft zu wissen, was die anderen feiern und was für sie wichtig ist in diesen Tagen. Und zum anderen haben Advent und Chanukka etwas gemeinsam: Sie verbreiten Licht, bewusst, Tag um Tag oder Woche um Woche mehr, anders als die nur dekorativen Lichterketten in den Straßen und Häusern. Sie symbolisieren: Die Welt wird heller, wo Menschen auf Gott vertrauen.

Das Chanukkafest steht in Verbindung mit einer Geschichte, die in den Makkabäerbüchern erzählt wird.

Unter dem Eroberer Antiochus IV waren im 2.Jahrhundert v.u.Z. die Zeiten für das jüdische Volk schwer geworden. In allen Teilen seines Königreiches verlangte dieser die Einführung und Einhaltung hellenistischer Sitten. Viele passten sich an und übernahmen griechische Lebensart und Kultur. Die große Mehrheit des Volkes jedoch hielt weiter an ihren Bräuchen und an ihrem Glauben fest. Antiochus begann, Gewalt auszuüben: Er verbot die Einhaltung des Schabbat, er machte den Tempel zu einer Kultstätte für den griechischen Gott Zeus.

Es ist keine sanfte Geschichte, die da erzählt wird. Denn es erhob sich ein drei Jahre dauernder Aufstand gegen die Fremdherrschaft und gegen die Zerstörung der religiösen Identität. Und da geschah das Wunder, an das das Lichtanzünden am Chanukkafest erinnert: Als der Tempel wieder erobert war, brannte das Licht am Tempelleuchter mit nur einem Krüglein Öl acht Tage lang, so lange, bis man wieder Oliven gepresst und reines Öl daraus gewonnen hatte.

Das Thema dieses jüdischen Lichterfestes ist die Bewahrung des Glaubens, das Festhalten an dem, was einen ausmacht, das Bekenntnis dazu: Gott hilft uns und steht uns bei. Licht um Licht soll das in die Welt hinein scheinen, deshalb stellen manche ihren Leuchter auf das Fensterbrett.

So halten es Christen ja auch manchmal mit ihren Adventslichtern. Auch hier mit der Bedeutung: Gottes Licht leuchtet in die Dunkelheit der Welt hinein.

Es ist, bei aller Unterschiedlichkeit, ein schönes Zusammentreffen, dass Christen und Juden gleichzeitig in diesen Tagen zeigen: Es wird heller in der Welt, wenn Menschen im Vertrauen darauf leben, dass Gott uns beisteht.
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