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SWR3 Gedanken


Heißhunger auf selbstgemachte Pommes. Also schnell noch ein Netz Kartoffeln in den Einkaufswagen und ab zur Kasse. Als Pfälzer liebe ich unsere „Grumbeeren.“ Vor allem frittiert. Aber momentmal:
Auf dem Etikett steht „Ägypten“. Das kann ja wohl nicht sein, oder? Ägyptische Kartoffeln in der Pfalz. Nanu? Und auch die biologischen Kartoffeln daneben kommen nicht aus meiner Heimat, sondern vom Nil. Sollte die tatsächlich jemand mit dem Flugzeug oder Schiff nach Deutschland gebracht haben, damit ich sie hier kaufen kann? Obwohl mein Bauer um die Ecke noch welche in der Scheune hat? Die sind zwar noch nicht „neue Ernte“ wie die aus Ägypten, schmecken aber trotzdem noch gut. Aber mein Pfälzer Bauer wird sie wohl unterpflügen müssen. Wenn es „neue Ernte“ aus Ägypten gibt – dann bleiben die alten Pfälzer leider liegen.
Was ist das für eine verrückte Welt, wo ich aus den Nachrichten erfahre, dass in Afrika Hunger herrscht, aber die Kartoffeln aus Ägypten nicht im benachbarten Afrika landen, sondern in meinem Supermarkt. Nur weil die Afrikaner sich Kartoffeln nicht leisten können. Oder besser gesagt: Nur weil in Europa Leute wie ich unbesehen Kartoffeln aus Ägypten kaufen. Weil sie sonst noch ein bißchen auf frischere Kartoffeln warten müßten. Ich meine: Ist doch klar, dass die Ägypter lieber an gut zahlende Europäer verkaufen als an arme Afrikaner.
Aber mit mir nicht! Also: Kartoffeln wieder raus aus dem Einkaufswagen und heute keine Pommes gemacht. Das nächste mal kaufe ich wieder auf dem Markt: Pfälzer Kartoffeln.

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