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SWR4 Abendgedanken BW

Wo gehöre ich eigentlich hin, frage ich mich jetzt, wo ich älter werde. Wie viele meiner Generation bin ich viel herumgekommen und weiß nicht so recht, wo ich jetzt eigentlich hingehöre, auch später, im Ruhestand.
Ein altes Ehepaar bringt mich auf eine Möglichkeit:
"Unsere 'Goldene Hochzeit' würden wir gerne daheim feiern, in dem 'Kirchle' in meinem Heimatdorf, in dem wir vor 50 Jahren getraut wurden!", sagt der "goldene Bräutigam" beim Vorgespräch.
Nein, gelebt hätten sie nie dort. Dort sei er halt aufgewachsen, in dem kleinen Dorf auf der Alb. Dann hatte er Soldat werden müssen und sei nach der Gefangenschaft nur kurz dort gewesen. Auf seiner Suche nach Arbeit in der Stadt hätten sie sich dann gefunden. Mehrmals sind sie in dem halben Jahrhundert umgezogen, in eine andere Stadt, in ein anderes Haus, haben sich jeweils eine neue Existenz aufgebaut.
"Jetzt geht es uns wie unseren Kindern, dass wir gar nicht so recht sagen können, wo wir denn zu Hause sind ... - vielleicht überall ein wenig ...," sagt er und fügt lächelnd hinzu: "bloß die Schnecken haben ihr Heim immer dabei".
"Und an jedem Ort waren Menschen, die unsere Freunde wurden", ergänzt die Ehefrau, "und einige sind es dann lebenslang geblieben, über alle Entfernung und alle Belastungen hinweg. Es klingt vielleicht ein wenig "groß", aber ich empfinde mich geborgen im Herzen dieser Menschen, die uns Gott geschickt hat ...".
Von dieser alten Frau habe ich gelernt: 'Geborgenheit' kann ich nicht auf der Landkarte finden als Ort, wo ich hingehöre. 'Geborgenheit' findet man unterwegs, auf dem Weg. Auf diesem Weg begegne ich Menschen, die mir wichtig werden, die mich kennen und mögen und die mich begleiten.
Manche dieser Menschen gehen ein Stück des Weges mit mir, solange wir am selben Ort wohnen, solange wir über die gemeinsame Arbeit zusammen sind oder was immer uns sonst verbindet. Manchmal, wenn dieses Gemeinsame wegfällt, verliert sich die Zugehörigkeit nach und nach. Aber ich erinnere mich oft und bleibe geprägt davon, was wir füreinander waren.
Andere Beziehungen bleiben erhalten. Mal näher, mal ferner begleiten wir einander auf unseren unterschiedlichen Lebenswegen und teilen Sorgen und Freuden miteinander.
So empfinde ich mich 'geborgen und zugehörig' zu Menschen, die mich einen Abschnitt oder gar den Lebensweg begleiten.
"Daheim" fühlt sich das alte Ehepaar aber dann doch "in dem 'Kirchle' im Heimatdorf", in dem "alles" anfing.
Dort finden sie die Geborgenheit im Alter ...
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