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SWR4 Abendgedanken BW

"Unsere Gesellschaft wird älter – in einem bislang nicht da gewesenen Ausmaß. Das ist neu, aber nicht bedrohlich, wenn es gelingt, den Wandel zu gestalten." Das habe ich vor kurzem gelesen und ich finde: Es klingt besser als das ewige Gejammer darüber, dass wir immer älter werden. Daran ist ja nun einfach nichts zu ändern. Deshalb wird es gut sein, wenn wir das beste daraus machen.
Wie das ganz praktisch aussehen kann, habe ich ganz in der Nähe von Schwäbisch Hall entdeckt. Dort hat man bemerkt, dass auch Wohnsiedlungen "altern". Z. B. verkommen die einmal kleinkindgerecht angelegten Spielplätze, sobald die Kinder der ersten Generation aus dem Spielalter raus sind. Oder die Plätze werden ganz geschlossen.
Diesen Fehler wollte man in Michelfeld grade nicht machen. Da entsteht ein "Mehrgenerationentreff" auf dem Spielplatz und drum herum: Für kleine Kinder Sandkasten und Rutsche, ältere Kinder sollen mit fließendem Wasser "matschen" können. Jugendliche haben einen eigenen Bereich und es soll eine Kugelspielbahn geben für Ältere und Familien. Eine Wiese wird gestaltet, zum Picknicken und zum Federball- und Volleyballspielen. Man hält zudem Ausschau nach Spielgeräten, an denen sich auch ältere Menschen versuchen können.
Ich finde das ganz spannend, weil so "das Miteinander der Generationen" in den Alltag umgesetzt wird. Das wird nicht einfach sein und nicht ohne gelegentliche Konflikte abgehen. Aber ein Miteinander kriegt man eben nur hin, wenn sich die Generationen auch begegnen können und man die verschiedenen Altersstufen nicht "auseinandersortiert". Zusammenhalten ist wohl nur mit mehr Begegnung zu haben - und Berührungspunkte sind nun einmal auch Reibungspunkte.
Wichtig scheint mir dazu, dass wir offen auf andere zugehen, mit der Möglichkeit rechnen, dass es auch zu Auseinandersetzungen kommt und das nach dem "Jesus- Prinzip": "Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt! "(Mt. 7, 12)
Da könnte dann ein Älterer mit einem Augenzwinkern zu einer Gruppe Jugendlicher sagen: "Beim Wegtragen der leeren Getränkedosen habt ihr's ja dann leichter ...!" Und die Jungen wiederum brauchten sich nicht gleich gemaßregelt fühlen und grinsend antworten: "Na klar doch!"
Ich bin gespannt, ob wir noch mehr solcher "Spielplätze" hinkriegen, wo sich vielfältige Kulturen, unterschiedliche Altersgruppen und verschiedene Gesellschaftsschichten begegnen können nach dem "Jesus - Prinzip" ...
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