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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15JAN2022
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Es gibt eine Sache, da werde ich immer wieder komisch angeschaut. Nämlich dann, wenn ich sage, dass ich kein Auto besitze, und zwar aus Prinzip. Meine Antwort wird zwar toleriert, aber die Augen meines Gegenübers verraten mir dann meistens doch, dass dem nicht ganz so ist.

Und ich kann es ja auch verstehen, dass es schwierig zu verstehen ist. Vor allem wenn ich dann noch sage, dass ich Autofahren eigentlich liebe. Aber ich habe für mich beschlossen, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Aus mehreren Gründen.

Zum einen nervt mich das Parkplatzproblem in der Großstadt. Man findet nie einen, wenn man einen braucht. Als Fußgänger bin ich mit den Öffentlichen einfach schneller an meinem Ziel.

Und dann sehe ich an diesem Punkt auch nicht ein, dass ich nur für ein paar Minuten fahre, womöglich noch im Stau stehe und das Auto dann im Anschluss für eine wesentlich längere Zeit an einem Platz steht. Die Zeit, die ich im Auto verbringe, ist einfach viel zu gering, im Vergleich zu der Zeit, die es nur rumsteht. Für mich rechnet sich das nicht.

Ich bin deshalb im Team ÖPNV beziehungsweise mit dem Fahrrad unterwegs. Gut, ich habe jetzt auch den Vorteil, dass ich vieles fußläufig erreichen und erledigen kann. Und einen guten ÖPNV hat meine Stadt auch.

Wenn ich in meine Heimat, in den Schwarzwald fahre, sieht das schon anders aus, auf dem Land sind die Entfernungen einfach größer, da braucht man eine andere Mobilität. Verstehe ich. Wäre für mich aber immer noch kein Grund, mir ein eigenes anzuschaffen. Ich kann immer noch ein Auto ausleihen.

Mir geht es einfach bei der ganzen Thematik darum, gut hauszuhalten, mit den Dingen, die ich wirklich für mich brauche oder nicht. Es gibt vieles, was ich mir mit anderen teilen kann. Für mich ist die Welt ohnehin mehr als gut gefüllt, mit vielen Konsumgütern, die wir kaum oder gar nicht benötigen, wenn es auch anders geht. Tut mir leid, wenn das keine schönen Worte sind für das Land, in dem das „Heiligs Blechle“ beheimatet ist. Ich sehe das aber wirklich so, weil wir auf dieser einen Welt, die wir haben, gut haushalten sollten. Die ist mir nämlich heiliger als das Blechle.

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