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SWR3 Gedanken

24NOV2021
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Bei einem Waldspaziergang sagt meine Bekannte Anna zu mir: „Herbstblätter sind die Taschentücher Gottes.“ Ich frage nach: „Hä? Weil sie so bunt sind oder weil sie so weit oben hängen?“ Anna wieder: „Nein, nicht die Blätter an den Bäumen, sondern die am Boden.“ Noch mehr Fragezeichen in meinen Augen.

Die muss Anna wohl entdeckt haben, und deshalb erklärt sie: „Meine Oma hat das immer gesagt. Früher als man noch Stofftaschentücher hatte, da waren in einer Ecke immer die Initialen eingestickt. Bei dir wäre das also ein DF für „Dominik Frey“. So hat man immer gewusst hat, wem das Taschentuch gehört.“ „OK. leuchtet mir ein, aber was hat das mit den Herbstblättern und Gott zu tun?“ Anna fährt fort: „Wenn früher ein Fürst in eine Hofdame verliebt war, dann konnte er das nicht einfach so sagen, ging ja voll verklemmt zu damals. Aber es gab einen Trick: der Herr hat einfach sein Taschentuch vor die Füße der Dame fallen lassen. Und für den Fall, dass sie nicht gemerkt hat von wem es stammt, standen ja die Anfangsbuchstaben in der Ecke.“

Ach so! Gott lässt im Herbst seine Taschentücher fallen. Und da das mit den Initialen bei Blättern etwas schwierig ist, baut er darauf, dass wir sowieso wissen, von wem sie stammen – nämlich von ihm. Und dann wissen wir, zum Beispiel bei einem Waldspaziergang: Wow, ein ganzer bunter Teppich voller Liebesbeweise. Danke, lieber Gott. Muss ich mir nur noch überlegen, was ich darauf antworten soll.

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