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SWR3 Gedanken

23NOV2021
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Mir ist ein echter Supergau passiert. Ich bin in Freiburg aus dem ICE ausgestiegen, und mein Smartphone ist ohne mich weitergefahren. Ein ganz mieser Moment. Schweißausbruch, rumgruschteln, Schlimmes ahnen und dann die Gewissheit: das Ding ist einfach weg, nichts zu machen.

Bei der Rückfahrt und in den Tagen danach hab ich gemerkt, wie aufgeschmissen ich ohne mein Handy bin – erschreckend! Aber es war gut, das zu erkennen. Ich musste plötzlich wieder mit wachem Geist unterwegs sein und auf analoge Geräte und meine Sinne vertrauen: auf dem Bahnsteig auf Ansagen hören, nach öffentlichen Uhren Ausschau halten, mir wieder einen Wecker stellen, morgens auf das Außenthermometer schauen, oder noch besser ein paar Schritte vor die Tür, um die Temperatur zu checken.

Und war es Zufall oder nicht? Als ich ohne Handy noch ganz betröppelt von Freiburg nach Hause gefahren bin, da hatte ich gleich ein paar nette Begegnungen: Eine Frau vor dem Bahnhof hat mich nach der richtigen Buslinie gefragt und mir ganz freundlich nachgewunken. Ich habe einen Mann darauf aufmerksam gemacht, dass seine Handylampe in der Brusttasche noch an ist. Auch der hat sich überschwänglich bedankt. Ja klar, ohne Handy bin ich ansprechbarer und wacher. Wenn der Kopf nicht nach unten geht, dann bekomme ich mit, was um mich rum los ist.

Trotzdem war ich heilfroh, als mein Handy nach einer Woche wieder da war. Aber meine Lektion hab ich gelernt. Nicht zu abhängig werden von dem Ding. Denn das analoge Leben hat auch einiges zu bieten.

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