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SWR2 Wort zum Tag

28AUG2021
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Oft frage ich mich: Warum bist Du heute eigentlich dieser oder jener Person begegnet? Das hat doch irgendwie gepasst. Das sollte wohl so sein. War das nun reiner Zufall? Oder mehr als das? Und im Blick auf Freunde und Partner frage ich mich dann auch: Warum bin ich überhaupt mit diesen und nicht mit anderen Menschen zusammen gekommen, befreundet, in Partnerschaft verbunden?

Die amerikanische Anthropologin Helen Fisher meint herausgefunden zu haben, dass es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gibt, die Menschen an Anderen attraktiv finden. Und dies wiederum sei von Hormonen bestimmt.[1]
Andere behaupten bekanntlich, Körpergerüche seien der Grund, warum man sich sprichwörtlich gut riechen kann. Anziehung – Partnerschaft – Begegnungen – alles pure Biologie? Oder reiner Zufall?
Ich bin unlängst auf eine jüdische Weisheit gestoßen, die in eine gänzlich andere Richtung weist. In der fragt eine lebenserfahrene Frau den Rav Jose:
Was macht Gott eigentlich, nachdem er die Welt erschaffen hat? Die Antwort des Weisen hat mich frappiert: Gott bringt seither Ehepaare zusammen, heißt es da. (Pesiqta 11,b – zit. n. Strack-Billerbeck Bd I, S. 803)

Steckt Gott da wirklich dahinter? Ich bin mein Leben durchgegangen – über den Ehe-Horizont hinaus – und habe mich gefragt:
Was wäre gewesen, wenn du die oder den nicht getroffen hättest in deinem Leben? Freunde und Freundinnen, Lehrer und Lehrerinnen in der Schulzeit, an der Uni? Kollegen und Kolleginnen im Beruf? Ich spüre: Sie haben alle mein Leben geprägt und erfüllt – manchmal auch belastet und bedrückt. Manchmal wäre ich auch froh gewesen, dieser oder jener Person besser nicht begegnet zu sein.

Doch mir fällt im selben Moment auf: Ohne  a l l e  diese Menschen, denen ich begegnet bin und bis heute begegnen darf, wäre ich wohl verkümmert, wäre ich nicht da, wo ich gelandet bin.
Doch wie kam es dazu? Soviel ist für mich sonnenklar: Es ist mehr als Biologie gewesen.
Und die Vorstellung, dass Gott dabei mitgewirkt hat, gefällt mir. Mehr noch: Sie überzeugt mich sogar.
Es hat Sinn gemacht – mich weiter gebracht – auch die schwierigen, verstörenden Begegnungen. Ich kann sagen: Ich erkenne darin ein liebevolles Wirken Gottes. Das nicht aufhört.
Denn wenn ich Freundschaft und Partnerschaft, Alltagskontakte und Begegnungen in der Nachbarschaft  s o  ansehe – verändert das mein Erleben von Grund auf:
Jede Begegnung – auch die schweren – werden zu einem ein Wink Gottes – zu einem Geschenk an mich.

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[1] Fanny Jimenez, So entscheidet der Körper, in wen man sich verliebt, in: welt online, 2.8.2021

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