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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

14JUN2021
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Den rheinischen Priester und Sozialreformer Adolph Kolping kennt fast jeder. Der von ihm gegründete Gesellenverein kümmerte sich um die verarmten Handwerksburschen während der Industrialisierung.

Zur gleichen Zeit kämpft auch ein Mitbruder aus der Pfalz gegen das soziale Elend: Paul Josef Nardini. Im Sommer 1821 - also vor 200 Jahren - kommt er in Germersheim zur Welt. Als uneheliches Kind wächst er in einer Pflegefamilie auf. Sein Adoptivvater will, dass der Junge einmal die Schusterwerkstatt übernimmt. Aber Paul Josef hat andere Pläne. Er möchte Priester werden. Und diesen Traum verwirklicht er auch.

1851 kommt er als Pfarrer nach Pirmasens. Zu seinem Seelsorgebezirk gehören noch 22 Dorfgemeinden in der Umgebung. Eine gewaltige Aufgabe. Dazu die schwierige Lage in der Stadt. In Fabriken und in Heimarbeit werden Schuhe produziert. Die Arbeitsbedingungen sind hart, die Löhne niedrig. Missernten treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe. Manche Familien hungern. So ziehen die Erwachsenen oft noch als Schuhverkäufer übers Land. Die Kinder bleiben sich dann selbst überlassen, leben auf der Straße. Sie stehlen oder betteln. Pfarrer Nardini ist schockiert. Er begreift: Mit herkömmlicher Seelsorge ist es hier nicht getan. So alarmiert er die Öffentlichkeit und wendet sich an die Verantwortlichen in Wirtschaft, Politik und Kirche.

Die Hartnäckigkeit des Pfarrers zahlt sich aus. In Pirmasens kann er ein Gebäude erwerben, in dem Dutzende verwahrloster Kinder ein Zuhause finden. Um sie alle betreuen zu können, gründet Nardini eine geistliche Gemeinschaft, die „Mallersdorfer Schwestern“. Sie kümmern sich bei Hausbesuchen auch um Alte und Kranke in der Stadt.

Nardinis unermüdlicher Einsatz aber hat seinen Preis. Im Alter von nur 40 Jahren stirbt er an den Folgen einer Lungenentzündung. Im Jahr 2006 spricht ihn die Kirche selig. 

Es sind Priester wie Kolping und Nardini, die das verkörpern, was sich Papst Franziskus für seine Kirche heute wünscht: nämlich eine Art „Feldlazarett“ zu sein. Die Seelsorger - so der Papst - müssen „hinausgehen aus den Kirchen und Pfarrhäusern und die Menschen dort suchen, wo sie leiden, wo sie hoffen.“1 

 

1:Papst Franziskus: Der Name Gottes ist Barmherzigkeit. München, 2016, S. 74

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