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SWR4 Abendgedanken

12JAN2021
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Ich habe eine Lieblingsgeschichte in der Bibel. Es ist die Geschichte von den „Emmausjüngern“. Die beiden Jünger von Jesus werden so genannt, weil sie eines Tages eine Wanderung zum kleinen Ort Emmaus machen. Auf dem Weg herrscht aber keine gute Stimmung. Es ist erst wenige Tage her, da hatte man ihren Herrn und Meister Jesus an einem Kreuz umgebracht. Zwar gibt es das Gerücht, er sei wieder von den Toten auferstanden, aber so richtig glauben können die beiden das nicht. Und als sie so trübselig unterwegs sind, stößt ein anderer Wanderer zu ihnen und begleitet sie bis ans Ziel. Die beiden Jünger kennen den Fremden nicht. Erst in Emmaus gehen ihnen die Augen auf: Der Mann, der sie die ganze Zeit begleitet hat, war der auferstandene Jesus. Die ganze Zeit war er bei ihnen und sie hatten es nicht bemerkt.

Ich liebe diese Geschichte, die im Lukasevangelium erzählt wird. Ich liebe sie, weil sie mir sagt: Jesus geht mit dir, auch wenn du ihn nicht bemerkst. Gott ist an deiner Seite, auch wenn du nichts von Gott siehst und spürst. Und solche Zeiten gibt es auch in meinem Leben immer wieder, dass ich von Gott nichts sehe und spüre. Ich sehe dann nur meine Sorgen. Ich spüren die Angst. Ich leide an der Not, die andere haben. Und dann frag ich mich oft: Wo ist denn Gott? Warum lässt er das zu und tut nichts? Die Emmausgeschichte antwortet: Gott ist da. Unerkannt. Ohne dass ich ihn sehen und spüren kann geht er meine Wege mit. Auch wenn ich es im Moment nicht merke: Gott teilt meine Not. Vielleicht kann ich das erst später im Leben verstehen.

Gott ist an meiner Seite und geht meine Wege mit. Das ist eine gute Botschaft zum Beispiel für Menschen, die ins Krankenhaus gehen müssen und nicht wissen, ob sie wieder ganz gesund werden. Gott geht mit ins Krankenhaus. Er ist da. Und es ist eine gute Botschaft für Menschen, die jemanden beerdigen müssen, den sie geliebt haben. Gott geht mit ans Grab und durch die Trauer. Es ist auch eine gute Botschaft für alle, die von einem Partner verlassen wurden oder sich einsam fühlen. Gott ist mitten im Schmerz und teilt ihre Einsamkeit.

Ja, ich liebe die Geschichte von den Emmausjüngern. Sie macht mir Hoffnung und Mut für meinen Weg durch dieses Jahr: Gott da bei allem, was kommen wird.

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