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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13JAN2021
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In letzter Zeit treibt mich vermehrt die Frage um, was geschehen müsste, dass ich am Ende meines Lebens sagen könnte: “Es war gut.

Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass es auch für andere ein Segen war.“

Vielleicht ist es ganz natürlich sich mit Mitte/Ende 50 intensiver damit zu beschäftigen, weil offensichtlich und spürbar ist, dass das Leben begrenzt ist.

Was kann ich also selbst dazu beisteuern, dass ich es gut sein lassen kann, wenn’s dann soweit ist?

Beim libanesischen Priester und Dichter Simon Yussuf Assaf fand ich eine schlichte Antwort, die mich sehr berührt hat. Er schreibt:

 

 

Es hieß: Wirf deine Netze aus!

Ich tat es

Und mit Schätzen beladen zog ich sie zurück.

 

Es hieß: Säe deine Saat aus!

Ich tat es.

Nach einer Zeit des Wartens

Ging die Saat auf und brachte reiche Frucht

Es hieß: Teile deinen Besitz!

Ich tat es.

Eine Tafel vereinte Freunde und Fremde,

Reiche und Arme

Und ich fand mich beschenkt.

 

Es hieß: Hör auf deine innere Stimme!

Ich lauschte

Und entdeckte eine leise Melodie,

die der Lärm der Welt übertönt hatte.

 

Es hieß: Öffne dein Herz!

Ich trug meine Festungsmauern ab

und entfernte meine Maske.

Da wurde die Welt mein Haus

Und die Menschheit meine Familie. (aus: Simon Yussuf Assaf, Melodien des Lebens, S.67)

 

Ich glaube, im Grunde sind es eben diese ganz einfachen „Dinge“, die das Leben kostbar machen. Nicht nur für einen selbst. Zeit, mit Menschen verbringen, die man mag, gut bei sich selbst sein, Aufgaben haben, die Freude machen und herausfordern. Auch wenn sie einem nicht immer leichtfallen. Und sich ein „Erfolg“ nicht unmittelbar einstellt -  geschweige denn messen lässt. Es lohnt sich, es zu versuchen.

Und so möchte ich mich zu Beginn des neuen Jahres an den Sätzen von Assaf wie an Leitplanken orientieren. Ich nehme mir vor, „meine Netze auszuwerfen“ Menschen zu versammeln, die ein Netzwerk bilden.

Einbringen, was in mir steckt, es nicht horten. Teilen, was ich bin und habe, und Menschen um meinen Tisch versammeln,  

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