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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

12JAN2021
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Zuversichtlich bleiben, nicht trübsinnig werden. Das ist momentan auch für mich eine echte Herausforderung.

Zum Glück gibt es die Natur. Sie tröstet ohne Worte und schenkt Zeichen, die erstaunlich sind. Kahle Bäume, die bereits Knospen haben, Schneeglöckchen, die sich durch den gefrorenen Boden kämpfen. In einer Zeit, in der es gar nicht danach aussieht besteht die Natur darauf, dass es wieder Frühling wird.

Von einem dieser Hoffnungszeichen erzähle ich Ihnen heute Morgen:

Ich hatte mir vor ein paar Wochen einen Zweig vom Kirschbaum in eine Vase gestellt, der hat dann schön geblüht. Doch anstatt ihn - nachdem er verblüht war - zu entsorgen, hab` ich ihn auf der Fensterbank im Gästezimmer zunächst vergessen.

Und das war gut so. Denn als ich ihn nach zwei Wochen endlich wegwerfen wollte, hatte dieser Zweig kleine Wurzeln getrieben und nicht nur das.

 Da ragt aus einem der ausgetrockneten Ästchen ein grüner Trieb mit frischen Blättern in die Höhe. Fast wie ein erhobener Zeigefinger streckt sich dieses grüne Etwas aus dem graubraunen Zweig.

„Da staunst Du, was?“ – und ich staune nicht schlecht, was für die Natur möglich ist. In einer Vase mit kaum Wasser bewirken Licht und Wärme ein kleines Wunder. Dieser grüne Trieb und die kleinen Wurzeln sind für mich ein Hoffnungszeichen.  Es muntert mich auf. Und es ermutigt mich, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Die Hoffnungszeichen zu sehen, die die Natur schenkt und nicht nur sie. Wieviel Positives erlebe ich im Corona-Alltag!

 Die Nachbarin, die mir ein Stück Kuchen vor die Tür stellt. Musiker, die vor dem Krankenhaus ein Ständchen spielen. Jugendliche, die am Abend ein Kerzenmeer vor einem Pflegeheim aufstellen, um zu signalisieren, wir denken an Euch.

Diese Zeichen machen mich zuversichtlich. Und sie ermutigen mich, selbst kleine Hoffnungszeichen zu setzen. Ein gutes Wort für jemand, der nicht damit rechnet, eine freundliche Geste, oder einen Brief an jemand zu schreiben, der allein oder krank ist.

Noch etwas bewirkt mein Zweig mit dem frischen Grün und seinen zarten Wurzeln: Ich will nichts und niemand zu früh abschreiben. Ich möchte Dingen eine Chance geben, die zunächst wenig aussichtsreich erscheinen. Vielleicht pflanz ich den Zweig ja ein. Wäre doch gelacht, wenn daraus nicht ein Kirschbaum würde.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32319