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SWR4 Abendgedanken

27NOV2020
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Übermorgen ist schon der Erste Advent. Und so wie es aussieht, wird er in diesem Jahr anders aussehen, als wir es gewohnt sind. Der andere Advent. So heißt ein Adventskalender mit guten Texten, die zum Nachdenken anregen. Es gibt ihn seit über zwanzig Jahren. Aber gute Texte werden in diesem Jahr nicht ausreichen, um mitten in einer Pandemie etwas Sinnvolles aus den Wochen bis Weihachten zu machen. Und aus Weihnachten, denn auch das Fest der Liebe und der Familie wird in diesem Jahr anders sein. Ich habe mir überlegt, wie aus dem Advent trotzdem eine gute Zeit werden kann. Auch in diesem Jahr. Ohne ständig an dem herumzunörgeln, was nicht möglich ist, oder mich zu ärgern, dass früher doch alles soooo schön war.

Einen Advent ohne die schönen alten Lieder kann ich mir nicht vorstellen. In der Kirche darf ich sie nicht singen, in der Schule auch nicht. Aber zuhause am Adventskranz. Und ich denke, dass ich die Idee vom Frühjahr wieder aufgreife, und mit meinen Nachbarn hüben und drüben im Freien singen werde, von Balkon zu Balkon.

Advents- bzw. Weihnachtsfeiern bei gutem Essen und Wein wird es keine geben. Auf der Arbeit nicht und auch nicht im Bekanntenkreis. Aber was hindert mich daran, mich mit anderen an einem schönen Ort zu treffen, im Wald, auf einer Wiese. Natürlich im kleinen Kreis; da kann man problemlos Abstand halten. Ein Topf mit Würstchen, Punsch. Das geht alles regelkonform und ohne Aufwand. Wenn Kinder dabei sind, könnte da sogar der Hl. Nikolaus einen Besuch machen. Und kleine Geschenke zu verteilen ist auch gut möglich.

Und dann liegt in dieser anderen Adventszeit noch eine Chance. Ich werde mehr Zeit haben. Abends vor allem. Ich weiß noch, wie schön die Abendstunden vor Weihnachten waren, als ich ein Kind war. Weil es so behaglich war, stimmungsvoll. Ob es mir gelingt, diese Stimmung wieder aufleben zu lassen? Weihnachtliche Musik hören, ein Buch im Sessel lesen, ein Geschenk selber basteln.

Mir ist klar, nicht alle werden die Zurückgezogenheit genießen. Manchen fällt womöglich gerade jetzt die Decke auf den Kopf. Wenn ich das von jemandem erfahre, dann bleibt genug Zeit für ein Telefonat oder einen spontanen Besuch an der Haustüre. Da genügen ja ein paar Worte oder eine liebevolle Geste, um einen wissen zu lassen: Du bist nicht vergessen!

Der Advent 2020 ist anders als sonst. Aber eines bleibt gleich. Es ist die Zeit um neues Vertrauen zu fassen: dass Gott diese Welt liebt, auch die dunklen Seiten in ihr, und dass er sie nie aufgeben wird.

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