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SWR3 Gedanken

12DEZ2019
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Es ist geradezu paradox, davon im Radio zu reden: Von der Stille. Denn Radio ist doch das glatte Gegenteil davon. Musik, Moderation, Werbung und nur ja keine Stille, denn sonst könnte man ja meinen es gäbe einen Sendeausfall. Ist ja auch ok, Radio macht den Alltag schöner, hält uns auf dem Laufenden und hellt die Stimmung auf. Und unser Gehirn braucht ja auch Geräusche und zwar zur Stimulation. Nicht umsonst werden komplett schalldichte Räume auch als Folter eingesetzt. Aber wie bei allem: die Mischung macht‘s. Das Gleichgewicht zwischen Betriebsamkeit und Ruhe, zwischen Stille und Lärm. So wie unser Gehirn Stimulation braucht, so braucht es auch Phasen der Ruhe. Denn in diesen bilden sich neue Zellen in den Regionen die für‘s Lernen, Erinnern und für die Gefühle gebraucht werden. Es wird derzeit sogar diskutiert, ob Stilleübungen zur Vorbeugung von Alzheimer und Demenz eingesetzt werden können. Stille ist aber nicht nur körperlich gesund, sondern auch seelisch. Der Dokumentarfilmer Philipp Gröning hat ein halbes Jahr in einem Kloster gelebt und dort seinen preisgekrönten Film „Die große Stille“ gedreht. Er hat sich ganz eingelassen auf das Leben der Kartäusermönche. Ganz zu Anfang hat ihn die Stille völlig verunsichert, in eine innere Leere, ja sogar Trauer geführt. Denn wenig konfrontiert einen so sehr mit sich selbst, wie die Stille. Als er aber durch diese Krise durch war, hat er die Stille nur noch genossen. Weil sie ihn genauer und tiefer hat wahrnehmen lassen, die Natur, sich selbst und die  Menschen um ihn herum. Das hat er dann so schön gefunden und so wohltuend, dass er am liebsten im Kloster geblieben wäre. Aber nicht wegen der Stille, sondern wegen der der Offenheit und der Güte die aus der Stille entstehen.

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