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SWR4 Abendgedanken

20NOV2019
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Heute ist Buß- und Bettag. Bis in die 90er Jahre ein staatlicher Feiertag, viele evangelische Gemeinden haben heute darum zum Gottesdienst eingeladen. „Buß- und Bettag“ - da zieht es sich erst einmal ein wenig in mir zusammen. Buße klingt nach Strafe. Aber darum geht es gar nicht.

Bußtage wurden in der Geschichte der Kirche vor allen Dingen in Notzeiten angesetzt. Man wollte die Menschen zur Umkehr und zum Gebet aufrufen. Wenn sich die Menschen besinnen und ihr Verhalten ändern, dann ändern sich hoffentlich auch die Verhältnisse. Das war der Gedanke.

Für mich ist der Buß- und Bettag deshalb eine Chance. Ein Tag, an dem ich es wage, mich mit meinem eigenen Fehlverhalten auseinanderzusetzen und es nicht einfach unter den Teppich kehre. Das mag auf den ersten Blick vielleicht leichter sein, aber irgendwann holt mich das ein, was da in mir rumort. Ich schaue in mich und spüre: Da ist etwas nicht in Ordnung. Es ist etwas passiert, was ich vielleicht nicht wieder gut machen kann. Vor Gott kann ich das bedenken, Worte dafür finden, was mich bewegt. Ich kann um Vergebung bitten. In der Bibel sagt ein Prophet einmal: „Du, Gott, hast alle meine Sünden hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38, 17) Ich finde: Das ist ein gutes Bild. Gott, nimmt mir meine Last ab. Er wirft sie hinter sich. Zwischen ihm und mir steht nichts mehr. Ich kann neu anfangen. Das tut mir gut. Gott ermutigt mich zudem, mein Verhalten zu verändern. Im Kleinen und Privaten, aber auch darüber hinaus.

Dazu kommt: Der Bußtag gilt für die ganze Gemeinde, nicht nur für mich allein. Daher steht die Frage im Raum: Wie gehen wir miteinander um? In diesem Jahr wurde kontrovers über den Klimaschutz oder die Rettung von Menschen im Mittelmeer diskutiert. Das ist gut, denn es sind wichtige Themen. Die Art und Weise der Diskussion macht mir aber manchmal Angst. Die Sprache wird wüst und rau. Ich bin fest davon überzeugt, dass das unserer Gesellschaft nicht gut tut. Darum bete ich heute dafür, dass wir Wege finden wie wir unser Miteinander besser gestalten: Dass wir einander besser zuhören und Ängste Ernst nehmen und dass wir bereit sind, Verhalten zu ändern. Ich finde: das schulden wir der nächsten Generation.

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