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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Sind sie eher auf der Flucht, oder voll dabei? Meine Schwester lebt in Köln/Bonn und sie erzählt mir immer, dass ihre Freunde sich in diesen Tagen in zwei Gruppen aufteilen: Entweder sie sind voll dabei, oder sie fliehen vor allem was nach Fasnet oder Karneval aussieht, am besten weit weg.

Am Feiern haben sich schon immer Geister geschieden, das war auch schon zurzeit Jesu so. Seine gottesfürchtigen Zeitgenossen haben sich über ihn aufgeregt, nannten ihn sogar einen „Fresser und Weinsäufer“. Warum? Weil er sich zu Feiern einladen ließ und sich mit den Menschen freuen konnte. Sein erstes Wunder geschah dann auch während einer großen Hochzeitsfeier. Der Wein ging auf einmal aus… peinlich, wenn es auf einmal nur noch Wasser zu trinken gibt. Jesus lässt daraufhin große Behälter mit Wasser füllen – und als man später daraus ausschenkt, ist es bester Wein.

Ist doch schon lustig, dass Jesus bei seinem ersten Wunder gerade Wasser zu Wein verwandelt hat? Einen Menschen gesund machen – so etwas erwarte ich von Jesus, aber ein Weinwunder? Heute denke ich: Jesus ist viel entspannter, als ich das oftmals bin! Er hat kein Problem damit, mit anderen Menschen zusammen zu trinken und fröhlich zu feiern.

Das heißt für ihn aber nicht, dass er alle „fünfe gerade“ sein lässt: Da wo Menschen leiden, wo andere mit ihnen schlecht umgehen, da geht er dazwischen, spricht das offen an. Zu Ungerechtigkeiten schweigt er nicht einen Moment. Und er redet nicht nur, er lebt es auch vor, wie Menschen miteinander umgehen sollten. Er hat diesen tiefen Wunsch, dass sie einander liebevoll und in Achtung begegnen sollen.

Für mich ist Jesus damit ein Vorbild geworden: Auf der einen Seite war er unverkrampft und hatte keine Berührungsängste. So möchte ich auch offen auf andere zugehen, mit ihnen feiern, mich freuen und fröhlich sein.

Auf der anderen Seite hatte Jesus diese ganz klare Linie: Andere dabei nicht zu verletzen. Nicht über sie zu lachen, sondern mit ihnen. Das meint er, wenn er von „Liebe“ spricht. In seiner Bergpredigt hat Jesus das so gesagt: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Das ist doch mal ein toller Vorsatz für diese Tage: Miteinander feiern, fröhlich sein und andere so zu behandeln, wie ich mir das auch von ihnen wünsche.

 

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