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SWR2 Wort zum Tag

Schon mal was von Kleidertausch-Parties gehört? Oder von Gemeinschaftsgärten oder Tauschringen? All das sind relativ neue Arten zu wirtschaften. Meistens angestoßen von Leuten, die eine Alternative suchen zum normalen Kaufen und Verkaufen. Eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hat herausgefunden, dass sich 88 % der Deutschen eine neue Wirtschaftsordnung wünschen. Auch Papst Franziskus hat es in einem Apostolischen Schreiben drastisch formuliert: „Diese Wirtschaft tötet, sie vergöttert das Geld, sie schließt viele arme Menschen aus und führt dazu, dass es ungerecht zugeht“ schreibt er.

Jetzt gibt es noch eine alternative Idee, wie die Wirtschaft funktionieren könnte: mit Hilfe der so genannten „Gemeinwohl-Ökonomie“, eine Wirtschaftsform, die sich daran misst, wie viel sie zum Gemeinwohl beiträgt. Erfunden hat sie der Österreicher Christian Felber. Er ist der Meinung, dass ein Unternehmen nicht nur daran gemessen werden sollte, wie viel es verdient, sondern wie zufrieden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind. Und wie fair es wirtschaftet. Der Clou an der Idee: Je besser die Gemeinwohlbilanz eines Unternehmens, desto mehr Vorteile werden gewährt. Z.B. muss es weniger Mehrwertsteuer und Zölle bezahlen. Außerdem bekommt es günstigere Kredite. Und öffentliche Aufträge sollen vorrangig an solche Unternehmen vergeben werden, die fair wirtschaften.

Christian Felber tingelt mit seiner Idee durch die Welt und versucht sie zu verbreiten. Immerhin: Über 400 Firmen von Skandinavien bis Lateinamerika unterstützen ihn schon und unterziehen sich einem frisch entwickelten „Gemeinwohl-Check“. Vom Naturkost-Lieferanten bis zur Bank, vom Outdoor-Ausrüster bis zur Fahrradwerkstatt. Bei diesem Check muss man seinen Betrieb in 17 Disziplinen bepunkten. Es soll zum Beispiel bewertet werden, wie ökologisch nachhaltig, wie solidarisch oder wie transparent man handelt. Es geht dabei nicht nur darum, wie die Produkte hergestellt werden. Sondern es werden auch Zulieferer und Geldgeber unter die Lupe genommen. Und wie die eigenen Mitarbeiter behandelt werden.

So eine Gemeinwohl-Bilanz ist für einen Betrieb wie eine kleine Bestandsaufnahme und daher auch anstrengend. Aber die Erfahrungen damit zeigen: Wenn die Mitarbeiter beteiligt werden, dann kann ein richtiger Ruck durch ein Unternehmen gehen. Ein Ruck in Richtung Gemeinwohl. Und Gemeinwohl heißt ja, den mitmenschlichen Zusammenhalt stärken und die Umwelt schonen. Ich finde, ein Ruck in die richtige Richtung.

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