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SWR3 Gedanken

Die Butterbrotgeschichte musste unsere Oma Heidrun uns immer wieder erzählen, wenn wir Kinder bei ihr zu Besuch waren. Und die ging so:

Als Kind hat meine Oma den Krieg erlebt und die Not, die damit verbunden war. Auch den Hunger. Es gab nicht viel zu essen. Besonders Butter war rar. Wenn es überhaupt welche gab, dann wurde sie rationiert. Am Anfang der Woche erhielt also jeder in der Familie ein kleines Stückchen, das musste bis zum Ende der Woche reichen. Unsere Oma war schlau, sie machte in die Butter oben Striche, für jeden Tag einen. Aber dann hat ihr die Butter doch zu gut geschmeckt: So hat sie jeden Tag ein bisschen mehr genommen als geplant. Dann hat sie die Oberfläche glattgestrichen und neumarkiert. Bis die Striche am Ende so eng standen, dass schließlich für den letzten Tag gar nichts mehr da war. An einem dieser butterlosen Tage ist sie abends ins Bett gegangen. Und da lag auf ihrem Kopfkissen ein Butterbrot. Ihr Vater hatte seine Ration so sparsam benutzt, dass er seinen Rest mit ihr teilen konnte! Eine echte Liebestat. Denn eigentlich hatte er seine Fettration selbst bitternötig.
Wenn sie zu Ende erzählt hatte, hat uns unsere Oma angeschaut und immer gesagt: „Das ist Liebe, das wenige, das man hat, zu teilen.“

Heute an Gründonnerstag teilen wir in vielen Kirchen auch miteinander: Brot und Wein. So wie Jesus es damals mit seinen Freunden und Freundinnen geteilt hat am Abend vor seiner Hinrichtung. Er hat ihnen noch einmal seine Liebe gezeigt. So wie der Vater meiner Oma Heidrun. Eine Liebe, die auch im Angesicht von großer Not spürbar wird, wenn wir teilen. Um diese Liebe geht es heute an Gründonnerstag. Für mich wird sie immer ein bisschen nach Butterbrot schmecken.

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