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SWR4 Feiertagsgedanken

Der dreifaltige Gott und das Wasser

Gott mit etwas zu vergleichen, muss eigentlich schief gehen. Denn Gott ist mehr als alles, was ich aus meiner Erfahrungswelt kenne. Und doch tue ich es manchmal! Ich kann nicht anders. Ich muss Gott mit etwas vergleichen, wenn ich eine Ahnung davon bekommen will, wer oder was er ist. Das geht mir gerade an Pfingsten so, wenn der Heilige Geist gefeiert wird. Was soll das denn sein – heiliger Geist? Und wie verhält er sich zu Vater und Sohn. Ein Gott in drei Gestalten?

Um in das Geheimnis Gottes ein wenig vorzudringen, kann Wasser helfen. Wasser fließt. Es kommt in Bächen und Seen vor, macht lebendig, nährt Pflanzen, tränkt Tiere und Menschen. Und es trägt Schiffe. Wasser kann aber auch hart und kalt sein, glatt und rutschig: als Eis nämlich. Dann trägt es zwar auch, aber anderes: Schlittschuhläufer zum Beispiel. Als Eisblock kühlt es Lebensmittel, als Eiswürfel Getränke. Wasserdampf hingegen macht genau das Gegenteil: Er ist heiß und gefährlich. Anders als Eis erzeugt er Energie und treibt Maschinen an. Er lässt sich nicht anfassen und doch bewirkt er etwas.

Wasser kommt also auf drei Arten vor: fest als Eis, flüssig als Wasser und gasförmig als Dampf. Will ich wissen, was Wasser wirklich ist, muss ich alle drei Formen zusammen­nehmen. Es geht nicht anders. Und genau so erlebe ich es, wenn ich über Gott nachdenke. Natürlich ist kein Bild perfekt. Aber wie Wasser hat auch Gott ein Wesen, dem ich nur auf die Spur komme, wenn ich mir die drei Gestalten genau anschaue, in denen er sich zeigt: Gott Vater, Sohn und Geist.

Eis ist fest und kann Menschen tragen. Wenn man so will: wie Gott-Vater. Für mich ist er der Grund, der alles hält. Er sorgt dafür, dass alles „flutscht“, dass die Dinge laufen und die Welt sich dreht.

Wenn Eis schmilzt, wird es zu Wasser. Aus Gott Vater wird der Sohn geboren, Jesus! Die Bibel erzählt, wie er Menschen Hoffnung gibt. Jesus bezeichnet sich selbst einmal als lebendiges Wasser und er schenkt den Menschen neues Leben, mit denen er zusammen ist: den Jüngern zum Beispiel, den Armen und Kranken.

Wasserdampf kommt für mich dem Heiligen Geist am nächsten, weil man ihn nicht greifen kann. Den Geist sieht man nicht, aber er wirkt, wo immer etwas aufbricht, das die Welt verändert. Er wirkt, wo etwas Fahrt aufnimmt wie eine Dampflok. Dieses Bild gefällt mir, denn die Lok wird von Wasserdampf angetrieben, einer Kraft, die sich nicht greifen lässt, die aber unheimlich stark ist, Energie erzeugt und bewegt.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Für mich sind das drei Dinge, drei Gestalten. Aber wie Eis, Wasser und Dampf sind sie von ihrem Wesen her eins. Gott mag mit nichts vergleichbar sein. Aber Bilder wie das vom Wasser brauche ich manchmal, um ein klein wenig von dem zu erahnen, was meine Vorstellungskraft sprengt.


Gottes Geist und die „heilige Unzufriedenheit“

Was ist der Heilige Geist? Darüber habe ich mir gerade Gedanken zum Pfingstfest gemacht. Der Heilige Geist ist der Geist Gottes. Ich kann ihn nicht sehen, aber fühlen. Wie Wasserdampf kann ich ihn nicht greifen, aber er wirkt, hat Energie und Kraft. Wie das konkret aussieht, kann ganz unterschiedlich sein.

Wenn die Bibel vom Heiligen Geist spricht, dann spricht sie zum Beispiel von den Früchten des Geistes (vgl. Gal 5,18-25). Sie sagt: Wo Menschen herzensgut, treu oder freundlich sind, fröhlich, friedlich oder liebevoll, wo sie sich für andere einsetzen, da handeln sie im Geist Gottes. Der Apostel Paulus denkt zudem über die Gaben des Geistes nach. Er sagt: Jeder hat von Gott etwas mitbekommen, das er gut kann: Fähigkeiten, die aus göttlichem Geist erwachsen, weil sie mir und anderen nutzen (vgl. 1 Kor 12).

Paulus sagt auch, dass der Geist Menschen zu Kindern macht, die Gott ihren Vater nennen (vgl. Röm 8,15). Ich habe lange nicht verstanden, was er damit meint, und ich habe mich auch ein wenig dagegen gesträubt, als Kind bezeichnet zu werden. Vielleicht geht es Paulus aber um das Gefühl, das Kinder ihrem Vater gegenüber haben, wenn er sie zum Beispiel in die Luft wirft und wieder auffängt. In dem Moment spüren sie tief im Herzen, was sie mit ihm verbindet: sie wissen, wo sie hingehören und dass ihr Papa sie liebt. Das ist keine Kopfsache; es geht da um etwas ganz tief drin. Paulus schreibt einmal, dass der Geist dem Herzen Gewissheit gibt, dass Gott es liebt (Röm 5,5). So fühlt sich für ihn heiliger Geist an: er geht zu Herzen und er macht die Liebe Gottes spürbar.

Paulus selbst hat einmal erfahren, was es heißt, von einer „heiligen Unzufriedenheit“ geplagt zu sein. Auch darin sieht er eine Variante, wie der Geist wirkt. Als er in Athen die vielen Götterstatuen sieht, wird er stinksauer! Er beschließt, länger dort zu bleiben, um das Evangelium zu verkünden und gegen diese Götzen anzupredigen (Apg 17,16). Er wirft seine Reisepläne über Bord, um sich selbst treu zu bleiben und weil er eben unzufrieden ist. Für ihn zeigt sich in dieser heiligen Unzufriedenheit der Geist Gottes. Ich glaube, das gibt es bis heute: Ich kenne Menschen, die ihren Beruf aufgegeben oder ein Amt abgegeben haben, um zu tun, was sie im Herzen umtreibt: für andere da zu sein. Und ich denke auch an Menschen, die ihren eigenen Weg gehen und nicht den, den andere für sie vorsehen – weil sie sich dazu berufen fühlen. Und ich rechne auch die Leute dazu, die in diesen Tagen auf die Straßen gehen, weil Unrecht geschieht – einigen Menschen in der Türkei zum Beispiel. Diese Leute verspüren eine heilige Unzufriedenheit und handeln entsprechend.

Nicht alles, was mich bewegt, kommt von Gott. Und ich muss vorsichtig sein, dass ich nicht, ja, meinen eigenen Vogel für den Heiligen Geist halte. Aber manchmal ist da eben eine offene Tür, die vielversprechend ist, eine innere Unruhe, die mich lenkt, oder jenes tiefe Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Für mich hat das immer dann etwas mit Gottes Geist zu tun, wenn es letztlich zu etwas Gutem führt: für mich und auch für andere.

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