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SWR2 Wort zum Tag

Woher kommt die Kraft zum „trotzdem“? Ich muss mich immer wieder mal zum „trotzdem“ durchringen. Sonst würde ich mich dem Leben verweigern. Zum Glück wenden wir uns meistens dem Leben wieder zu. Sagen „trotzdem, ja“.Obwohl ich sie kenne diese Versuchung, am Morgen einfach liegen zu bleiben. Es schiene so viel einfacher, bequemer. Es strengt an, die Aufstehschmerzen zu überwinden, bevor man sich wieder bewegen kann.

‚Trotzdem‘ sagen und sich dem Leben zuneigen. Obwohl man denkt, es fällt doch niemand auf, wenn ich in mich in mein Schneckenhaus zurückziehe und nicht raus gehe. Trotzdem sagen, obwohl wenig Hoffnung ist, dass heute besser wird, was gestern vielleicht auch nicht gut war.
„Trotzdem“ sagen und sich Menschen positiv zuwenden: Schülerinnen und Schülern, die lustlos in ihren Bänken sitzen und scheinbar keine Lust haben, etwas zu lernen. Trotzdem als Lehrer versuchen, hinter ihre verschlossenen Masken zu schauen. Sie zu erkennen als Menschen, die auf der Suche sind:

Zu sich, zu dem Ich, das sie erst noch finden wollen. Und dabei oft nicht wissen, wo sie anfangen sollen mit suchen.
„Trotzdem sagen“ und sich dem Leben positiv zuwenden.

Obwohl das schwieriger geworden ist. Politisch: Ich hätte nicht gedacht, dass wir in der westlichen Welt noch einmal so um humane und demokratische Werte würden kämpfen müssen wie heute. „Trotzdem“: Sich Menschen positiv zuwenden. Gegen Hassende nicht zurückhassen. Lügen beharrlich begegnen, Genauigkeit, Fakten, Haltung und wahre Werte dagegensetzen.

Woher kommt die Kraft zum diesem „trotzdem“?
Aufzustehen, dem Leben Sinn abzuringen, sich Menschen zuzuwenden und für Menschlichkeit einzustehen?

Ich glaube, im Tiefsten kommt dieser Lebenswille aus der Tatsache, dass wir atmen. Einatmen, das machen wir ja unwillkürlich. Wir müssen keine Luft holen, sie kommt. Ich glaube, mit jedem Atemzug will Leben in mich hinein und mich als Teil des Lebens lebendig halten.

„Wir sind Leben, das leben will. Inmitten von Leben, das auch leben will.“ Hat Albert Schweitzer, der Theologe und Urwaldarzt das großartig ausgedrückt. Darin steckt eine biblische Sicht auf uns Menschen. Wenn Gott ausatmet, dann strömt sein Lebensatem in uns Menschen hinein und mein Leben beginnt. Und damit ist auch die Kraft zum „trotzdem“ erst einmal in uns gesetzt. Ich glaube, wir wollen ja sagen zum Leben. Auch zum anderen. Weil Gott das will. Lassen Sie uns tief einatmen, den Widerständen des Tages trotzen und fröhlich loslegen.

 

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