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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Du musst!“ „Du sollst aber!“ „Du darfst nicht!“ Wenn jemand so mit mir redet, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Selbst wenn er oder sie recht hat, würde ich am liebsten gerade das Gegenteil tun.

Kein Wunder also, dass die meisten Menschen allergisch reagieren, wenn sie den Begriff „die zehn Gebote“ hören. Da schwingen dann  oft mit: alles ist verboten – Gott ist ein Spielverderber – wenn man sich nicht an die Regeln hält, bekommt man Ärger - am Ende droht vielleicht sogar die ewige Verdammnis.

Die zehn Gebote heißen in der Fachsprache „Dekalog“, übersetzt das „Zehnwort“. die „zehn Worte“ oder „ Weisungen“. Es  sind Richtlinien, die den Menschen nicht unnötig das Leben schwer machen wollen, sondern im Gegenteil: sie sollen helfen, ein erfülltes und freies Leben führen zu können. 

Um diese Grundbotschaft besser herauszustellen, übersetzen manche Bibelwissenschaftler den Beginn jeder Weisung anstatt mit „du sollst“ mit „du wirst“. Und dieses „Du wirst“ könnte man mit dem Zusatz hören, „wenn Du ein geglücktes Leben haben willst“. Das würde dann so klingen „Du wirst nicht töten, wenn du ein geglücktes Leben haben willst.“ oder … „Du wirst deinen Mitmenschen ehrlich und fair begegnen,  wenn Du ein geglücktes Leben haben willst!“

Die zehn Weisungen sind in einer Zeit der Krise entstanden, als die Israeliten als Sklaven in Ägypten arbeiten mussten. Und als Gott sie in die Freiheit führt, da gibt er ihnen die zehn Weisungen. Ein guter Zeitpunkt, denn Freiheit will gelernt sein. Es gibt keine Freiheit, ohne auf Grenzen oder Regeln zu achten, sonst wäre alles beliebig und willkürlich...

Meine eigene Freiheit endet dort, wo die eines anderen anfängt. Zum Beispiel im Großraumabteil: Es mag einen einschränken, nicht laut Musik hören zu können. Andererseits -  wie hört es sich wohl an, wenn 100 Menschen gleichzeitig laut ihre Musik abspielen??

Menschen brauchen Regeln  um gut zusammenleben zu können. Dabei wollen die zehn Gebote helfen.

Und wenn ich mich an einem Gott orientieren kann, der mir zu einem erfüllten Leben in Freiheit verhelfen will, dann wird manches „Gebot“ plötzlich selbstverständlich. Und genau das wollen die zehn großen Freiheiten sein - eine Selbstverständlichkeit.

Man könnte sogar einen Ratgeber für ein glückliches Leben danach benennen. Der Titel wäre dann vielleicht: „Das Zehnwort – zehn Schritte, wie Sie mit sich und der Welt im Reinen sein können.“

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