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SWR4 Abendgedanken

Selbst im Urlaub zieht es mich manchmal in eine Kirche. Nicht aus Kunstinteresse heraus oder weil ich einen Gottesdienst besuchen will. Sondern einfach, um in der Kirche einige Minuten Stille zu finden. Ich setzte mich dann ganz alleine in eine der alten Holzbänke, schaue zum Kreuz am Altar, werde still, denke nach. Das laute Leben ist für kurze Zeit hinter den dicken Kirchenmauern und Türen ausgeschlossen. Es fällt mir dann leicht, ein Gebet zu sprechen und Gott alles zu sagen was mich bewegt. Darum liebe ich es auch, wenn Kirchen den Tag über geöffnet sind, so dass jeder einfach hineingehen kann, wann er oder sie das will.

In unserem Urlaubsort dieses Jahr gab es auch eine kleine Kirche. Weiß und rot leuchteten weit sichtbar die Wände und Dächer. Davor war ein Kirchplatz mit einem Brunnen und Bänken. Doch als ich die Kirche betreten wollte, wurde ich enttäuscht: Die Kirchentüren waren verschlossen. Alle. Und zu jeder Zeit. Wann auch immer ich zu der kleinen Kirche kam und an den Türen rüttelte, sie waren stets abgeschlossen. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um wenigsten durch die Fenster einen Blick ins Innere der Kirche werfen zu können. Aber ich konnte nichts erkennen. Die Fenster waren aus trübem Glas, das keinen Durchblick gewährte. Ich war enttäuscht. Die verschlossene Kirche hat mir gesagt: Hier ist kein Platz für mich. Als ob Gott sich eingeschlossen hätte.

Natürlich weiß ich das besser: Gott schließt sich nicht ein. Nicht mal in Kirchen. Ich kann mich jederzeit an Gott wenden mit dem, was mich beschäftigt und sicher sein, dass er mich hört. Wann immer ich will und wo immer ich gerade bin darf ich beten und Gott meine Sorgen und mein Glück sagen. Ich kann das Zuhause tun, an meinem Schreibtisch oder auf dem Sofa im Wohnzimmer. Überall kann ich beten. Ich kenne Menschen, die beten beim Spazierengehen. Andere haben eine Bank am Waldrand gefunden, auf die sie sich setzten, um mit Gott zu reden. Vielleicht haben Sie auch einen eigenen Ort für das Gebet.

Ich persönlich finde, dass Kirchen sich dafür besonders gut eignen. Sie laden ein zur Stille und zum Gebet. Vielleicht gibt es ja in Ihrem Ort eine Kirche, die geöffnet ist. Gott hat auf jeden Fall ein offenes Ohr.

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