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SWR3 Gedanken

„Seine Grundsätze sollte man für die wenigen Augenblicke in seinem Leben aufsparen, in denen es auf Grundsätze ankommt. Für das meiste genügt ein wenig Barmherzigkeit.“ Als ich diesen Satz von Albert Camus gelesen habe, musste ich an Papst Franziskus denken. Welch ein Segen für die Katholische Kirche einen Papst wie ihn zu haben. Denn auch für ihn ist Barmherzigkeit wichtiger ist als Grundsätze. Das zeigt welch wahrhaft religiöser Mensch er ist. Denn Gott werden drei Eigenschaften zugeschrieben: Heiligkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Und wer als religiöser Mensch dem Göttlichen näher kommen will, der versucht in diesem irdischen Leben heiligmäßig zu leben, also gerecht und barmherzig. Und das tut Papst Franziskus sehr glaubwürdig. Er stellt die Barmherzigkeit über die Grundsätze, weil er weiß, dass der Mensch ein fehlbares Wesen ist. Und weil er weiß, dass  Grundsätze ohne Wenn und Aber einzufordern hart, kalt und im letzten unmenschlich ist. Das lässt sich auch sehr schön begründen: Das hebräische Wort für Barmherzigkeit heißt Rachamim und bedeutet Gebärmutter oder Mutterschoß. Das heißt, ein barmherziger Mensch ist gütig und schenkt Geborgenheit, eine Geborgenheit, in der Leben gedeihen kann, eine Geborgenheit, bei der keine Angst besteht und in der ein Mensch sich entfalten kann. In diesem hebräischen Wort Rachamim steckt wiederum die Wortwurzel Racham und die bedeutet warm.

Wenn also im Hebräischen von der Barmherzigkeit Gottes die Rede ist, dann ist von der warmen und lebensspendenden Mütterlichkeit Gottes die Rede. Gott also nicht nur als Vater, der Schutz gibt und Richtung weist, sondern auch Mutter, die Geborgenheit und Wärme spendet.

Ich denke Gott so groß und so weit, dass ich mir das sehr gut vorstellen kann. Und sehr gern.

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