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SWR3 Gedanken

Eine ganz alte Geschichte, und doch sehr aktuell:

Ein ganzes Volk ist auf dem Weg. Scheinbar ewig zieht das Volk Israel durch die Wüste. Weg von einem schrecklichen Leben in Ägypten. Jahre oder sogar Jahrzehnte sind sie unterwegs. Gott hat ihnen versprochen, dass er sie in ein Land führt, in dem sie gut leben können.

Die Menschen sind fix und fertig. Immer wieder alles zusammenpacken, weiterziehen. Menschen sterben, Kindern werden geboren.

Kurz vor dem Ziel schicken sie Späher voraus, die sich das neue Land anschauen sollen. 

Sie kommen zurück und berichten von einem Land, in dem Milch und Honig fließen. Sie haben sogar Früchte mitgebracht um zu zeigen, wie gut dort alles wächst und wie reich das Land ist. ABER: es ist schon ein anderes Volk da. Und die Menschen erscheinen ihnen riesengroß und übermächtig. Was für ein Schock! Gott schickt sie los, sie vertrauen ihm und dann bekommen sie nicht mal ein eigenes, sicheres Land? Die Leute sind sauer und fragen sich, wofür sie losgezogen sind.

So müssen sich Flüchtlinge fühlen, die vor den Toren Europas stehen: sie haben sich so viel von einem Leben hier versprochen. Sie mussten weg von Krieg und Angst und haben es jetzt an vielen Orten mit Bürokratie und Fremdenhass zu tun. 

Die Erzählung aus der Bibel ist nicht eins zu eins auf diese Situation übertragbar.

Aber ich glaube, dass die Menschen damals wie heute das gleiche fühlen, hoffen und befürchten.

Es ist zwar klar, dass sie in einem anderen Land auf Menschen treffen werden. Sie haben aber keine Ahnung, auf wen. Sind sie freundlich? Nehmen sie die Neuen gut auf? Werden sie von den Früchten des Landes auch was abgeben? Und sorgen sie dafür, dass sich die Neuankömmlinge irgendwann zu Hause fühlen?

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