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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

 

Ganz vielen Menschen begegne ich im Laufe eines Tages – da sind geplante Begegnungen dabei, aber auch eher zufällige: Im Kalender steht ein „Treffen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ von 10 bis 16 Uhr, nicht im Plan steht die Begegnung mit dem Autofahrer an der Ampel neben mir um 12:03 Uhr oder mit der Kassiererin an der Tankstelle um 6:23 Uhr. Ob ich mich heute Abend an jede Begegnung werde erinnern können? Ich weiß es nicht!

Hin und wieder versuche ich, mir die Begegnungen eines Tages, die mehr und die weniger bewussten, in Erinnerung zu rufen. Ich beobachte dabei immer wieder, dass mir das wichtig geworden ist, um mich selbst und andere, bewusst wahrzunehmen.

 „Maria machte sich auf den Weg“, so heißt es in der Bibel im Lukas-Evangelium. Wenn ich einem Menschen begegnen will, dann muss ich mich mitunter auch auf den Weg machen oder ein anderer zu mir hin. Zum einen tun wir dies ganz praktisch, rein äußerlich – zu Fuß oder mit einem Fahrzeug. Zum anderen müssen wir dies auch innerlich tun; wir müssen uns auf die andere Person einstellen – nur dann können wir einander auch wirklich begegnen!

„Welche Situation erwartet mich?“

„Was will die oder der andere vielleicht von mir?“

„Was ist jetzt gerade dran?“

„Welches ist mein Part, meine Rolle?“

Solche Fragen können mir helfen, mich einzustimmen auf die Begegnung! Ich kann zeigen: „Du bist mir wichtig!“ und ich kann auch selbst spüren: „Ich bin Dir wichtig!“ Wenn echte Begegnung gelingt, so erfahren beide: „Es geht nicht nur um etwas, sondern um Dich und mich!“

Maria „begrüßte“ Elisabeth, so heißt es weiter. Ich erfahre immer wieder, dass es für den Wert einer Begegnung wichtig ist, wie wir einander begrüßen. „Nehme ich den Namen des anderen überhaupt wahr?“- „Schaue ich meinem Gegenüber tatsächlich in die Augen?“ – „Kann ich einen wirklichen Händedruck geben?“ 

Ja, ich spüre, dass wirkliche Begegnung immer neu wahrgenommen, vielleicht sogar gelernt werden darf – Tag für Tag neu!

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