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SWR3 Worte

Der Sonntag soll ein ganz besonderer Tag sein. Darüber hat die Dichterin Mascha Kaléko ein Gedicht geschrieben. Es heißt:

Sonntagmorgen 

Die Straßen gähnen müde und verschlafen.

Wie ein Museum stumm ruht die Fabrik.

Ein Schupo träumt von einem Paragraphen.

Und irgendwo macht irgendwer Musik. (…)

 

Die Fenster der Geschäfte sind verriegelt

Und schlafen sich wie Menschenaugen aus. –

Die Sonntagskleider riechen frisch gebügelt.

Ein Duft von Rosenkohl durchzieht das Haus.

 

Man liest die wohlbeleibte Morgenzeitung

Und was der Ausverkauf ab morgen bringt.

Die Uhr tickt leis. – Es rauscht die Wasserleitung,

Wozu ein Mädchen schrill von Liebe singt.

 

Auf dem Balkon sitzt man, von Licht umflossen.

Ein Grammophon kräht einen Tango fern…

Man holt sich seine ersten Sommersprossen

Und fühlt sich wohl. – Das ist der Tag des Herrn!

 

Ein Gedicht von Mascha Kaléko

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19949