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SWR2 Wort zum Tag

Zur Anteilnahme kommen nun neue Gefühle hinzu – Ratlosigkeit und Fassungslosigkeit. Dass ein Mensch, der nicht mehr leben will oder nicht mehr leben kann, andere mit in den Tod reißt, die doch noch leben wollen, das ist unvorstellbar erschreckend. Es kann für die Familien der Getöteten den Schmerz noch verschlimmern, für viele sicher auch den Zorn. Und auch der Copilot hat Angehörige, die trauern und jetzt vor quälenden Fragen stehen.

Noch etwas anderes geht mir durch den Kopf. Offenbar sind die Sicherheitssysteme im Cockpit zur tödlichen Falle geworden. Nach den Anschlägen vom 9. September sind die Cockpits in hohem Maß gesichert worden, damit niemand von außen eindringen kann. So konnte auch jetzt der Pilot nicht wieder hinein und den Kollegen von seinem Vorhaben abhalten. Und auch die regelmäßigen Gesundheitschecks für die Piloten konnten das Unglück nicht verhindern. Was sich im Cockpit ereignet hat, war nicht vorhersehbar.

Mich erschreckt es, so brutal damit konfrontiert zu werden, dass es keine Sicherheit gibt. Natürlich erstreben wir sie trotzdem, aber weder sorgfältige Personalauswahl, regelmäßige Checkups noch Technik können hundertprozentig sein. Mit all dem sind wir in diesen Tagen an eine Grenze gestoßen. Er trifft unsere Realität, der Satz „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“. Diese Realität kann auch kein Glaube und kein Gottvertrauen aus dem Weg räumen. Auch Jesus aus Nazareth hat auf eine Welt ohne Leid und Schuld gehofft, sich dafür eingesetzt und sie sogar erwartet. Erlebt hat er etwas anderes. Er selbst hat gelitten und ist getötet worden. Die Bibel sieht in ihm Gott nahe bei den leidenden Menschen. Im Vertrauen darauf finden immer wieder Menschen in großem Leid einen Halt. Aus diesem Vertrauen spricht auch der Salzburger Theologe Gottfried Bachl Gott an. Er hat dieses Gebet aufgeschrieben:

Im Tunnel

der Trauer

greifen wir nach dir,

und die Hände

sind zu kurz,

um dein Herz zu fassen,

das rund um uns

schlägt.                          

 

(Gottfried Bachl, Mailuft und Eisgang, Innsbruck 1998, 47)  

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