Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Ein anstrengendes Wunder, so ein Baby. Das denke ich manchmal, wenn ich junge Eltern beobachte. Und ich denke, so ist es auch den Eltern von Jesus gegangen.
Ein Mann namens Simeon hat sie wenige Wochen nach der Geburt getroffen. Der hat das sofort erkannt. Um seine Begegnung mit dem Kind Jesus und seinen Eltern geht es heute in den evangelischen Gottesdiensten.
Maria und Josef haben den kleinen Jesus in den Tempel gebracht. So war es damals der Brauch. Die Bibel erzählt, dass Simeon sie dort gesehen hat – und er hat Jesus auf den Arm genommen und zu Gott gesagt: „Mit eigenen Augen habe ich gesehen, dass von dir die Rettung kommt.“ Dass Gott die Welt ausgerechnet durch ein Kind retten will, ist schon schwer zu glauben, finde ich. Gerade jetzt sieht man doch, wie die Kinder weltweit der Gewalt und dem Terror ausgeliefert sind. Und doch hat Simeon Gott erkannt in diesem Kind.. Aber er hat dann auch gesagt, dass Jesus auf Widerstände stoßen wird. Und dass sein Weg für Maria viel Schmerz bedeuten wird.
Dass ein Kind ein kleines Wunder ist, das finde ich auch. So klein, und doch alles schon da. Und schon eine eigene Persönlichkeit. Ich denke, dass auch der Gedanke an Gott bei einem neuen Leben besonders nah ist. Aber mir kommen auch die erschöpften Gesichter frisch gebackener Eltern in den Sinn. Und das Seufzen darüber, wie oft sie diese Nacht aufstehen mussten. Und die Sehnsucht nach nur einer Nacht durchschlafen. Und auch, wenn die Kinder dann erwachsen sind: Die Sorgen, ob es dem Kind gut geht. Gerade, wenn der Kontakt nicht mehr so da ist oder es einen anderen Weg eingeschlagen hat, als man es sich gewünscht hätte.
Ich denke, so ein Kind ist also beides – ein Wunder. Ein Hinweis auf Gott. Aber auch anstrengend. Simeon erinnert mich, dass man Gott in beidem erkennen kann.
Leicht ist das, wenn ich über das Wunder staune. Aber ich glaube, Gott ist auch da, wenn mir die Aufgabe zu groß erscheint. Wenn der Mensch, um den ich mich kümmere, mich an meine Grenzen bringt. Simeon hat jedenfalls erkannt, dass dieses Kind, Jesus, seinen Eltern viel abverlangen wird. Und er hat Maria und Josef gesegnet. Ich denke, damit hat er ihnen auch Mut gemacht und ihnen gezeigt, dass Gott an ihrer Seite ist und ihnen helfen wird. Ich glaube, so einen Zuspruch braucht man ab und zu, wenn man Kinder hat. Und Menschen, die einem Mut machen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18947