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SWR4 Abendgedanken

„Das Glück wohnt im Nordwesten.“
So hat es neulich in der Zeitung gestanden. Staunend habe ich die Schlagzeile gelesen. Eine Umfrage hatte das ergeben: im Nordwesten Deutschlands seien Menschen besonders glücklich. Besonders zufrieden mit ihrem Leben.
Ich wüsste gern, was die Leute da genau gefragt worden sind. Denn Glück ist ja vermutlich für jeden etwas anderes.
Was ist für Sie ein Glück?
Gute Kollegen? Eine Beziehung, die schon viel durchgehalten hat? Endlich mal wieder Omas Schwarzwälderkirsch-Torte essen? Eine Karte für das Konzert meines Lieblings-Sängers ergattern? Morgens gesund aufstehen? Abends zufrieden einschlafen?
Ein Konfirmand mit immerhin 14 Jahren Lebenserfahrung hat seine ganz eigene Glücks-Definition geliefert: "Glück ist, wenn man Mist gebaut hat und alles wieder gut wird".
Glücks-Momente: oft unverdient, einfach so. Manchmal etwas ganz Großes. Das Kind in meinem Arm. Die gute Nachricht vom Arzt. Die Versöhnung nach langem Ärger.
Manchmal sind es auch eher kleine Glücksmomente: die Sonne, die ich an einem schönen Herbsttag auf meiner Haut spüre, der Wind, der mir durch die Haare fährt; das Gläschen Wein mit Freunden, das fröhliche Winken über die Straße hinweg.
Ein großes Glück, ein kleiner Glücksmoment: beides ist für mich ein Geschenk. Etwas, was mich dankbar macht. Nicht nur allgemein dem Leben gegenüber. Auch Gott gegenüber, weil ich mein Leben als Geschenk von ihm ansehe.
Ich erinnere mich, wie meine Oma früher nach dem Abendessen gebetet hat: „Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währt ewig.“ Das hatte sie aus einem Psalm der Bibel. Sie hat die alten Bibelworte zu ihrem eigenen Gebet gemacht, weil sie fand: das ist auch ein Glück – satt werden, nicht hungern müssen.
Ein großes Glück und für viele Menschen nicht selbstverständlich.
Genug zum Leben haben: Ich finde, das allein ist schon ein Grund, dankbar zu sein.
Nicht nur im Nordwesten. Auch hier, im Süden.

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