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SWR2 Wort zum Tag

Das Wort Kirche leitet sich her vom griechischen Kyriake. Das heißt, wörtlich übersetzt: Dem Herrn gehörend.
Wer dem Herrn gehört, wer also – in der Sprache der Bibel – an Jesus Christus glaubt, ihn bekennt, ist Kirche. Die Frage nach der Konfession ist da nicht so wichtig. Die Gemeinschaft im Gottesdienst, das Aushalten anderer Meinungen, die Solidarität mit den Armen: Das macht Kirche aus. Und vor allem: Die Hoffnung auf eine neue Welt, in der Gott regiert, eine Welt ohne Tod, ohne Terror, ohne Hunger.
Ich finde: Unsere Gesellschaft braucht die Kirche. Sie braucht Menschen, die im Namen Jesu Gutes tun, die aber zugleich über diese Welt hinaus hoffen. Sie braucht Diakonie, den Dienst am leidenden Mitmenschen. Und sie braucht die Botschaft von Jesus Christus, dass er den Tod überwunden hat.
Ich bin dankbar, wenn Menschen dieser Kirche verbunden bleiben, sei es in kritischer Distanz oder durch aktives Mitmachen. Beides erlebe ich, z.B. Wenn in unserer Stadt Menschen Geld spenden, damit für traumatisierte Flüchtlinge Sprachunterricht und Ausflüge organisiert werden können. Oder wenn meine Konfirmandengruppe sich an der Aktion 5000 Brote beteiligt und in der Bäckerei vor Ort Brote bäckt.
Immer wieder gibt es auch negative Schlagzeilen. Da treten Dinge zutage, die Kirche unglaubwürdig machen. Kirche ist nicht "kyriake", wenn Geld verschwendet oder Macht missbraucht wird, oder wenn Geschiedene vom Sakrament ausgeschlossen bleiben. Und es ist schlimm, wenn dann die ganze Kirche, die engagierten Menschen und auch die Botschaft Jesu mit dieser entstellten Kirche gleichgesetzt werden.
Deshalb ist es mir wichtig, genau hinzuschauen. Kirchliche Strukturen, Verwaltung und Finanzen sind nötig – aber sie sind auch besonders anfällig für Eigensucht und Missbrauch. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass es immer wieder zu schlimmen Entwicklungen kam. Aber es gab immer wieder Impulse, von denen Erneuerung ausging, z.B. die Reformation Martin Luthers. Oder die Erweckungsbewegung im 19. und 20 Jahrhundert. Ich glaube: Gott kümmert sich um seine Kirche. Sie ist nicht nur ein menschlicher Verein, sondern auch Gottes Werkzeug. Er wird die Welt erneuern.
Er wird Terror, Krieg und Hunger beenden. Auch durch die Kirche. Durch alle, die dem Herrn, gehören.

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