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SWR2 Wort zum Tag

Mit den Heiligen ist es ja so eine Sache. Denn Personenkult ist out. Viele lehnen es ab, Personen zu verehren – sowieso, wenn sie schon lange tot sind. Viele Menschen befremdet es, dass ein Heiliger als Fürsprecher bei Gott angerufen werden soll. Und dass es für eine Heiligsprechung auch noch ein Wunder braucht, ruft dann nur noch Kopfschütteln hervor. Ich höre dann solche Sätze: „Wie kann es sich die Kirche anmaßen, einen Menschen heilig zu sprechen?“ Oder: „Wunderglaube widerspricht meinem vernünftigen und aufgeklärten Denken!“

 Ich finde, hier tun sich berechtigte Zweifel auf. Kein Mensch ist unumstritten und doch hält es die Kirche für möglich einem Menschen das Prädikat „heilig“ zuzuschreiben.

Heute gedenkt die katholische Kirche eines Heiligen, der erst dieses Jahr „zur Ehre der Altäre“ erhoben und damit heilig gesprochen worden ist. Es ist der Heilige Papst Johannes XXIII. Jener, der heute vor 52 Jahren in Rom das II. Vatikanische Konzil eröffnete. Er wollte die katholische Kirche reformieren und damit in die heutige Zeit bringen.

Was mich an Johannes XXIII. beeindruckt, ist seine vertrauensvolle Grundeinstellung. Mutig hat er denen widersprochen, die, wie er selbst sagte „immer nur das Unheil voraussagen“. Er hat sie „Unglückspropheten“ genannt. Das zweite, was mich an ihm fasziniert, ist seine legendär gewordene Selbstironie. Es ist herrlich befreiend, sich selbst mal nicht so wichtig zu nehmen. Johannes XXIII. ermutigt mich dazu, wieder mehr über mich selbst zu schmunzeln.

Und wenn ich mich um mich selbst drehe, lädt er mich ein, nur auf den heutigen Tag zu schauen.

Mit einem Textausschnitt möchte ich ihn selbst zu Wort kommen lassen:

Nur für heute

werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute

werde ich mich den Gegebenheiten anpassen,

ohne zu verlangen, dass sich die Gegebenheiten an meine Wünsche anpassen.

Nur für heute

werde ich etwas tun, wozu ich eigentlich keine Lust habe.

Nur für heute

werde ich nicht danach streben, die anderen zu kritisieren – nur mich selbst.

Nur für heute

werde ich eine gute Tat vollbringen.

Nur für heute

werde ich keine Angst haben.

Ich will mich nicht entmutigen lassen durch den Gedanken,

ich müsste dies alles mein ganzes Leben lang durchhalten.

Heute ist es mir gegeben, das Gute während zwölf Stunden zu wirken.

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