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SWR2 Wort zum Tag

Computerspiele sind Kulturgut! Steile These, oder nicht?

Ich finde, es spricht einiges dafür. Computerspiele zeigen mir farbenprächtige Welten in bester Grafikauflösung. Ich höre dazu extra komponierte Musik, und ich habe tausend Möglichkeiten den Spielverlauf zu verändern. Computerspiele können zu wahren Gesamtkunstwerken werden, gerade dann, wenn sie wirklich Geschichten erzählen und mich bewegen. Wenn sie etwas mit meinem eigenen Leben zu tun haben.

Viele Menschen spielen regelmäßig am Computer. Und ich frage mich: Was fasziniert so sehr an den „Games“? Sie sind interaktiv, das heißt ich als Spieler kann mich immer wieder entscheiden, was ich tun möchte. Es gibt Spiele, die haben zig verschiedene Enden, je nachdem wie ich mich im Spiel verhalte.

Es gibt aber noch eine andere Seite. Die Spiele kontrollieren mich ständig. Sie sagen mir insgeheim: Das kannst du besser. Versuch's noch mal. Sie wollen mich perfektionieren. Das ähnelt letztlich meiner Arbeitswelt. Auch dort werde ich getrieben, es immer besser zu machen – es perfekt zu machen.

In meinem Alltag, im realen Spiel des Lebens, habe ich oft aber keine Chance Entscheidungen rückgängig zu machen oder Etappen meines Lebens neu zu spielen. Meine Entscheidungen bestimmen mein weiteres Leben, vor allem dann wenn ich sie nicht mehr ändern kann. Ich muss lernen zu meinen getroffenen Entscheidungen zu stehen und mit ihnen zu leben. Das lerne ich nur im richtigen Leben, nicht in Computerspielen.

Dabei darf ich mir ruhig eingestehen, dass ich nicht vollkommen bin. Ich muss es auch nicht. Als Christ habe ich die Hoffnung, dass Gott für mich da einspringt, wo ich versage, wo ich nicht perfekt bin. Gott stellt sich in der Bibel mit dem Namen „Jahwe“ vor. Das heißt übersetzt: „Ich bin der, der für dich da ist“. Das ist etwas anderes als bei Computerspielen, wo ich mich ständig abkämpfen und verbessern muss. Der Gott Jahwe ist einer, der möchte, dass ich frei bin, weil er die Menschen liebt und auf Augenhöhe mit uns ist. Wenn ich davon ausgehe dass es diesen Gott wirklich gibt, dann brauche ich nicht perfekt zu werden. Sondern ich kann freier und gelassener auf mein Leben schauen. Ich kann Fehler zulassen, zu ihnen stehen und aus ihnen lernen. Und das alles, weil ich darauf vertrauen kann, dass Gott es gut mit mir meint.

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